Wie soll der Prozess von der Leitbilddefinition bis zur Erstellung eines Schulprogramms erfolgen? Was gilt es zu beachten? Ist ein Leitbild zwingend Voraussetzung für ein Schulprogramm?
Fragen, die sich der eine oder andere Schulleiter immer noch stellt. Und wenn ein Schulprogramm schon existiert? Welche Qualitätskriterien sollte dann ein „gutes“ Schulprogramm erfüllen?
Um diese Fragen zu beantworten, werden als Erinnerung die Vorgaben des Schulgesetzes NRW (Quelle: Schulgesetz NRW, Flöttmann Verlag 2006) dokumentiert.
Einige Zitate:
§ 3 Schulische Selbstständigkeit, Eigenverantwortung, Qualitätsentwicklung und –sicherung:
(2) Die Schule legt auf der Grundlage ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags die besonderen Ziele, Schwerpunkte und Organisationsformen ihrer pädagogischen Arbeit in einem Schulprogramm fest und schreibt es regelmäßig fort. Auf der Grundlage des Schulprogramms überprüft die Schule in regelmäßigen Abständen den Erfolg ihrer Arbeit, plant, falls erforderlich, konkrete Verbesserungsmaßnahmen und führt diese nach einer festgelegten Reihenfolge durch.
Kommentar zu Abs. 2: Das Schulprogramm jeder Schule beschreibt die grundlegenden pädagogischen Ziele, die Verfahrensschritte sowie die ständige Überprüfung der erreichten Ziele. Es dient als zentrales Instrument der innerschulischen Verständigung und kollegialen Zusammenarbeit.
Die Fortschreibung des Schulprogramms ist verpflichtend (BASS 14-23 Nr.1). Die Schulkonferenz beschließt das Schulprogramm (§ 65 Abs.2 Nr. 1).
§ 29 Unterrichtsvorgaben
2) Die Schulen bestimmen auf der Grundlage der Unterrichtsvorgaben nach Absatz 1 in Verbindung mit dem Schulprogramm schuleigene Unterrichtsvorgaben.
Schulprogrammarbeit ist also keine Kür, sondern eine Pflicht für die Schulen.
Ausgangslage
Wie Leitbilder erarbeitet werden sollten, ist in den bisherigen Anmerkungen zu diesem Thema ausreichend beschrieben. Das Leitbild einer Schule ist Ausgangslage für Schulprogramm und Projekte sowie die Antwort auf die Frage, mit welchen Prioritäten die weitere Schulentwicklung gestaltet werden soll. Eine eigenverantwortliche Schule ohne Leitbild ist bereits jetzt und in der Zukunft kaum vorstellbar, weil andernfalls alle Aktivitäten der weiteren Schulentwicklung zusammenhangslos stattfinden.
Ein Leitbild ist das Bekenntnis aller am Schulbetrieb beteiligten Personen zur Schulidentität – sowohl nach innen als auch nach außen. Es beschreibt primär, was zukünftig gewollt ist, nicht, was zurzeit besteht.
Das Schulprogramm soll nun die „Durchführungsbestimmungen“ beschreiben, wie das Leitbild und die erläuternden Leitsätze in die Tat umgesetzt werden.
Eigentlich ist zur Schulprogrammentwicklung schon alles gesagt oder geschrieben, dennoch gibt es bei einigen Schulleitungen und insbesondere in einigen Kollegien noch Akzeptanz- oder Verständnisprobleme. Aus Sicht des SeniorExperten hängt dies wohl zusammen mit Aspekten der psychologischen Reaktanz, der ungewohnten pragmatischen Verbindlichkeit, der Gliederungsproblematik und der Ausdrucksmöglichkeit und insbesondere mit dem Verständnis, zukünftig eigenverantwortlicher zu handeln. Auch die Zurückhaltung wegen befürchteter Mehrarbeit ist zu erwähnen.
Was ist ein "gutes" Schulprogramm?
Bei der Suche nach bereits erstellten Schulprogrammen in der Literatur oder im Internet fallen die vielfältigen Möglichkeiten auf, wie Schulprogramme geschrieben werden können. Eine eindeutige und verbindliche Richtschnur für eine Gliederung oder für den Umfang existiert offensichtlich nicht. Weder vom Ministerium noch von den Autoren, die sich mit Leitbildern und Schulprogrammen auseinandergesetzt haben. Es bleibt also in der eigenen Verantwortung einer Schulleitung, mit dem Kollegium, den Eltern und je nach Schulform auch mit den Schülern ein für die Schulentwicklung sinnvolles Schulprogramm zu entwicklen. Unter Umständen ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten, diese Formulierungsarbeit, die letztendlich ja eine Mehrarbeit ist oder so empfunden wird, mit allen Beteiligten gemeinsam zu gestalten.
(Am Ende dieses Artikels wird eine Auswahl von Quellen angegeben.)
Eigentlich müsste es nicht Schulprogramm heißen, sondern Schulentwicklungsprogramm.
Nachfolgend werden lediglich einige! der Qualitätskriterien aufgeführt, die ein Schulprogramm erfüllen sollte, um als gutes Programm beschrieben werden zu können. (Ohne Priorität in der Reihenfolge)
Ein "gutes" Schulprogramm
- … muss einen hohen Verbindlichkeitsgrad haben,
- … muss fortschreibbar sein,
- ... muss von allen Beteiligten akzeptiert sein,
- … muss leserlich im Sinne von schnell verständlich sein,
- … muss „alltagstauglich“ sein.
- (... Entwickeln Sie weitere Kriterien)
Fortschreibbar.
Ein gutes Schulprogramm muss in jedem Fall fortschreibbar sein. Wenn etwas fortschreibbar sein soll, so sind neue Aspekte oder neue Anforderungen in die bestehende Beschreibung einzugliedern oder bestehende Teile des Schulprogramms sind zu verbessern. In jedem Fall ist eine Statusfeststellung mindestens einmal im Jahr durchzuführen. Nach der Feststellung des Status erfolgen die entsprechende Bewertung (Evaluation) und die darauf aufbauende Gestaltung neuer Ziele.
Leserlichkeit
Ein Schulprogramm muss leserlich sein. Eigentlich eine Trivialanforderung. Dies bedeutet die Vermeidung von in großem Umfang und langatmig pädagogische oder bildungspolitische Absichten und Erklärungen niederzuschreiben, sondern so einfach und verständlich wie möglich das zu beschreiben, was die kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Ziele der Schulentwicklung ausmacht. Ein Mix aus Langtext und tabellarischer Auflistung erleichtert das Lesen und fördert die Lesebereitschaft.
Eine gute Gliederung unterscheidet zwischen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zielen der Schule, die in diesem Schulprogramm festgeschrieben sind. Die Fortschreibbarkeit bezieht sich zunächst auf die kurzfristigen und erst später auf die langfristigen Ziele.
Es ist ferner zu überlegen, ob die Aufgaben und Probleme im schulinternen Alltag ebenfalls im Schulprogramm berücksichtigt werden sollten. Sie sind dann zu berücksichtigen, wenn sie permanent auftreten.
Akzeptanz
Die Akzeptanz muss zunächst im Kollegium gegeben sein. Die Schulleitung hat die Aufgabe, das Schulprogramm so zu kommunizieren, dass es für Transparenz in der Aufgabenstellung und als Richtschnur für die weitere Schulentwicklung angenommen wird. In einigen Fällen eine nicht leicht zu lösende Aufgabe.
Verbindlichkeit
Schulprogramme dürfen nicht nach dem Motto "nice to have" unverbindlich sein. Wer überprüft eigentlich, ob es wirklich eine Vorgabefunktion hatte? Nur die Schulleitung? Was passiert, wenn die Absichtserklärungen nicht umgesetzt odeer bearbeitet werden?
Alltagstauglich
Wird ein Schulprogramm in einer Sprache und in der Formulierung abseits der Realität geschrieben und veröffentlicht, ist logischerweise zu erwarten, dass Akzeptanz und Verbindlichkeit nicht erfolgen werden.
Wer stellt die Anforderungen?
Die Anforderungen an ein gutes Schulprogramm werden direkt oder indirekt aus der Sicht der Schüler, der Eltern, des Kollegiums, der Schulleitung, der Schulaufsicht und der Gesellschaft gestellt. Selten jedoch werden die Anforderungen formuliert.
Anforderungen aus der Qualitätsanalyse NRW (Qualitätsaspekt „Schulprogramm“):
Kriterium 6.1.1.
Die Schule hat eine regelmäßig tagende Steuergruppe eingerichtet.
Schulleitung bitte u.a. klären: Was heißt regelmäßig? Einmal im Monat, einmal im Jahr oder nach welchen Gesetzmäßigkeiten soll eine Steuergruppe tagen? Gibt es einen Projektplan dafür? Wann soll das Schulprogramm stehen? Aus welchen Personen besteht diese Steuergruppe? Sind sie repräsentativ? Hat die Steuergruppe die Aufgabenstellung richtig verstanden? Gibt es ein „Reporting“ für die Fortschrittskontrolle?
Kriterium 6.1.2.
Alle Beteiligten werden regelmäßig über den Arbeitsstand der Steuergruppe informiert.
Schulleitung bitte u.a. klären: Welche Informationsart wird für sinnvoll erachtet und warum? (Aushänge, Lehrerzimmer …) Was bedeutet „regelmäßig?“ (siehe 6.1.1.)
Kriterium 6.1.3.
Die Schule stellt die Unterrichtsentwicklung in den Mittelpunkt der Schulprogrammarbeit.
Schulleitung bitte u.a. klären: Unterrichtsentwicklung ist der Kernpunkt der Arbeit am Schulprogramm überhaupt. Mit welchen Maßnahmen, mit welchen Methoden wird Unterrichtsentwicklung erreicht? Wie werden Überlegungen zur anforderungsgerechten Unterrichts-entwicklung kommuniziert? Mit welchen Methoden wird evaluiert, ob die Anforderungen erfüllt sind oder ob Verbesserungsansätze bedacht werden sollten?
Kriterium 6.1.5.
Die Schule arbeitet im Rahmen der Schulprogrammarbeit an Aspekten eines schulinternen Curriculums.
Schulleitung bitte u.a. klären: In welcher Form werden die schulinternen Curricula zur Qualitätsverbesserung des Unterrichts eingesetzt? Welche Inhalte sind besonders geeignet, Kompetenzentwicklung zu fördern? Mit welchen Arbeitsformen wird Kompetenzentwicklung zum eigenständigen Lernen gefördert?
Kriterium 6.1.6.
Die Schule überprüft regelmäßig die Wirksamkeit der Schulprogrammarbeit.
Schulleitung bitte u.a. klären: auch hier die Fragestellung: Was bedeutet regelmäßig? Was bedeutet der Begriff „Wirksamkeit“ und durch welche Kriterien kann der immer währende Zyklus bewertet werden?
Auch die Anforderungskriterien (Empfehlungen) aus SEIS (Selbstevaluation in Schulen) sind zum Thema Schulprogramm zu berücksichtigen:
• (203) Die Eltern werden über die Ziele der Schule informiert.
• (204) Lehrer/innen alle sonstigen Mitarbeiter/innen, Eltern und Schüler/innen arbeiten gemeinsam am Erfolg der Schule.
• (205) Die Schule hat klare Vorstellungen von den langfristigen Zielen und Werten.
• (206) Die Kenntnis der Schulziele hilft mir, mit den Eltern zu kommunizieren.
• (207) Meine Arbeit steht im Zusammenhang mit den Zielen der Schule.
• (208) Die Schule macht deutlich, dass ihr das Lernen der Schüler/innen am wichtigsten ist (z. B. werden Erfolge der Schüler/innen mit Preisen belohnt und zusätzliche Unterstützung angeboten).
• (209) Die Unterrichtsentwicklung steht in der Schule im Mittelpunkt der Schulprogrammarbeit.
Wer arbeitet am Schulprogramm?
Wer soll am Schulprogramm arbeiten? Natürlich die Schulleitung mit der entsprechenden Steuergruppe, die sich aus Vertretern der interessierten Parteien zusammensetzt. Dies ist von Schulform zu Schulform etwas unterschiedlich.
Grundsätzlich sollten aber die Schulleitung, die Eltern, die Schüler und das Kollegium vertreten sein. Schulprogramme im „stillen Kämmerlein“ innerhalb einer kleinen Gruppe des Leitungskreises zu erarbeiten oder gar vom Schulleiter(in) allein, erzeugt einen hohen Aufwand an späteren „Verkaufsaktivitäten“ an die anderen Parteien, die sich mit dem Schulprogramm auseinandersetzen müssen. Der Erfolg und die Akzeptanz werden daher auch eher mäßig sein.
Mögliche Ablaufstufen
Ein Schulprogramm lässt sich mit und ohne Leitbild erarbeiten, wobei ein existierendes Leitbild natürlich eine bessere Systematik bei den anstehenden Formulierungsarbeiten erlaubt.
Welche Ablaufstufen / Arbeitsstufen sollten durchlaufen werden?
Mögliche Arbeitsstufen in einer Steuergruppe:
- Aufgabenstellung und Zielformulierung für die Steuergruppe festlegen.
- Sprecher oder Koordinator für die Steuergruppe festlegen.
- Festlegung des Zeitrahmens. (Projektmanagement)
- Festlegung der Methode zum Aufbau einer Gliederung des Schulprogramms (MindMap?) Was muss in jedem Fall beschrieben werden? (Organisatorisches, Pädagogisches, Projekte, Evaluation und Entwicklung …)
- Muss SWOT vorgeschaltet werden?
- Die Formulierungsproblematik in weitere Arbeitsgruppen übertragen.
- Periodische Abstimmungen mit Zielvorgaben
- Zusammenfassung und Veröffentlichung. (Lehrerkonferenz, Schulkonferenz, Internet, Intranet.)
Veröffentlichung
Zur Leserlichkeit des Schulprogramms gehört auch die schnelle und übersichtliche Zugriffsmögllichkeit für interessierte Leser. Dieser ist beispielsweise dann erreicht, wenn das Schulprogramm durch entsprechende Hyperlinks auf der Internet-Seite schnell erfassbar ist. Eine Volltextsuche erleichtert weiterhin die Suche nach Aussagen.
Das Schulprogramm kann sowohl in der Langtextversion als auch in tabellarischer Form erstellt werden. Bilder oder Grafiken fördern die Lesebereitschaft und dokumentieren bestehende Abläufe.
Die Möglichkeiten der Veröffentlichung sollten kreativ überdacht werden.
- Darstellung in Flyerform, (differenzierte Verteilung möglich),
- Wie bisher oft praktiziert als zusammengeheftete und gelochte Ausgabe,
- Als „Ringelmappe“,
- In gebundener Form,
- Einspaltig, mehrspaltig,
- … etc.
Weiterführende Literatur / Quellen:
Philipp / Rolff: Leitbilder und Schulprogramme entwickeln, Beltz Verlag 1998.
Ministerium für Schule, Jugend und Kinder NRW, Schulprogramm – eine Handreichung, Rittersbach Verlag 1998 / 2005.
Veröffentlichte Schulprogramme im Internet.
Lesen Sie weitere Überlegungen zur Thematik "Leitbild, Schulen und Schulprogramm"
-> Vom Leitbild zum Schulprogramm (Grundlagen)
-> Vom Leitbild zum Schulprogramm (1) (Schulgesetz und QA)
© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern etc. zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
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