Die Problematik des Schreibens
Ein Schulprogramm zu erstellen, welches in der Tat für die Schule als Richtfaden zur weiteren Schulentwicklung dient und insbesondere für das Kollegium und für die Eltern eine Informationsquelle darstellt, hängt insbesondere auch von der Art der Sprache und den Formulierungsfähigkeiten derjenigen Menschen ab, die sich mit der Schulprogrammbeschreibung beschäftigt haben bzw. beschäftigen müssen. Schulprogrammbeschreibungen sind eigentlich nicht von Kolleginnen oder Arbeitsgruppensprechern zu erarbeiten, denn es ist die Pflicht der Schulleitungen, selbst zu definieren, wie sie den Schulentwicklungsprozess gestalten wollen. Natürlich ist es möglich, einzelne Arbeitsgruppen damit zu beschäftigen, wie einzelne Kapitel zu beschreiben wären. Die Verantwortung allerdings, die richtige Ausformulierung dieser Beschreibungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren, bleibt bei der Schulleitung.
Für Schulen, die sich noch in der Orientierungsphase befinden, wie sie diese Definitionsarbeit aufzunehmen haben, ist das Prinzip der Zielbildung analog nach dem bekannten "Smart-Prinzip" unter Umständen hilfreich.
SMART und Schulprogramm
SMART ist eine Abkürzung für die Formulierung von Zielen. SMART setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Erfüllungskriterien zusammen. Das „S“ steht für spezifisch, also was genau beabsichtigt oder geplant ist; „M“ steht für das Messbarkeitskriterium. Bei Schulprogrammen wäre hier also die Evaluierbarkeit anzusprechen. „A“ steht für akzeptiert. Die Akzeptanz eines Schulprogramms ist auch der Garant dafür, dass keine- oder zumindest wenig - Überzeugungsarbeit im Kollegium geleistet werden muss, wenn das Schulprogramm fertig ist. „R“ für realistisch bedeutet, dass keine theoretisch orientierten Formulierungen festgeschrieben sein sollten. Auch Wunschbilder, die sich möglicherweise aus einer Selbstüberschätzung oder aus dem Leitbild ergeben, müssen vermieden werden. Das „T“ bedeutet terminiert. Das „T“ hängt sehr eng mit dem „R“ zusammen, wo es um realistische Einschätzungen geht. Termine sind ebenfalls ein Garant für die erfolgreiche Umsetzung.
Schulleitungen müssen sich im Vorfeld damit auseinandergesetzt haben, mit welcher Effizienz und Effektivität sie im Kollegium ein existierendes Leitbild und die unter Umständen dazu definierten Leitsätze so kommuniziert haben, dass sie im Schulalltag von allen involvierten Personen verinnerlicht sind. Andernfalls ergeben sich Probleme in der Abarbeitung dieser Aufgabenstellung dadurch, dass nur eine vorgegebene Aufgabenstellung erfüllt wird, aber der Sinn nicht wirklich erkannt wird.
Ein Schulprogramm kann auch als "Schulentwicklungsprogramm" aufgefasst werden. Das bedeutet, den Aspekt von "was machen wir heute und was werden wir in der Zukunft machen?" zu beleuchten und festzulegen. Legen Sie in diesem Zusammenhang auch fest, in welchen Zeiteinheiten eine Revision des eigenen Schulprogramms durchgeführt wird. (Gesamtheitlich oder kapitelweise). Bei längerfristigen Projekten, die über mehrere Jahre laufen, sollte berücksichtigt werden, wie die Erfolge zustande gekommen sind.
Fragestellungen
Einige Fragen, die im Zusammenhang mit der Erstellung eines Schulprogramms beantwortet werden sollten. (Keine Priorität in der Reihenfolge und auch nicht vollständig). Hinweis: Alle weiteren Anmerkungen und Fragen beziehen sich auf die Ersterstellung eines Schulprogramms, nicht auf die Anpassungen.
Haben sie alles berücksichtigt?
- Wann soll das Schulprogramm in der Erstausgabe veröffentlichungsreif fertig sein?
- Ist dieser Termin realistisch?
- Welche Teilschritte sind geplant? (Es ist unter Umständen sinnvoller, lediglich einige Teile des zukünftigen Schulprogramms komplett fertig zu erstellen, anstatt das gesamte Schulprogramm "durchzuziehen". Für eine bevorstehende Qualitätsanalyse kann – sofern bisher kein realisiertes Schulprogramm vorliegt - die Umsetzung des Schulprogramms mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überprüft werden, es kann nur festgestellt werden, dass es existiert. Der weitere Vorteil einer partiellen Schulprogrammentwicklung liegt darin, dass einzelne Kapitel unter Umständen als Richtlinie oder Empfehlung angesehen werden können, damit sich andere Personen analog ausdrücken. (Erstellen Sie einen Zeitplan für die Erstellung, die Überprüfung und die Veröffentlichung!!)
- Gibt es eine Richtlinie oder eine sonstige Empfehlung, welchen Ansprüchen diese Ausarbeitung gerecht werden soll. (Qualität). Kommunizieren Sie diesen Prozess in jeder Lehrerkonferenz, bis der Vorgang der Schulprogrammformulierung abgeschlossen ist.
- Erstellung eines Mindmaps, um die zu berücksichtigenden Kriterien bei der Erstellung sichtbar zu machen. Das Kollegium und weitere Personen haben damit die Möglichkeit, sich zu orientieren. Sie können auch einen Zeitplan (Projektplan) erstellen.
- Es besteht die Problematik der Gliederung. (Soll sich die Gliederung auf die Leitsätze beziehen? Soll sich die Gliederung auf pädagogische Projekte beziehen? Soll sich die Gliederung auf Aspekte der Qualitätsanalyse beziehen? …) Welche Möglichkeiten halten Sie noch für sinnvoll?
- Festlegung von Deckblatt und Logo
- Automatisierte Inhaltsangabe.
- Festlegung des Schreibprogramms (Office 2003, Office 2007, oder weitere?
- Festlegung der Schriftart. (Insbesondere deswegen wichtig, weil möglicherweise mehrere Personen an der Erarbeitung des Schulprogramms mitschreiben werden und nicht alle Schrifttypen auf den entsprechenden Rechnern vorhanden sind. Also keine "Kunstschriften".)
- Festlegung von Annahmekriterien, was in den jeweiligen Absätzen angesprochen werden muss, beziehungsweise angesprochen werden sollte.
- Festlegung der Veröffentlichung. (Die Art der Veröffentlichung und das dazu einzusetzende Medium ist mit entscheidend dafür, in welchem Umfang eine Beschreibung im Schulprogramm vorgenommen wird. Beispielsweise ist es nicht möglich, in einem Flyer (schwarz-weiß oder Farbe) mehrere DIN A4 Seiten sinnvoll unterzubringen. Nachfolgend einige Möglichkeiten der Veröffentlichung.
- Es ist notwendig, sowohl deduktiv (also vom Groben zum Feinen) als auch "rückwärts" zu denken. Damit ist Folgendes gemeint: Erst wenn ich weiß, wer mein Kunde ist und welche Möglichkeiten er hat, meine "Nachricht" zu lesen, kann ich mir überlegen, welches Medium ich sinnvollerweise einsetzen sollte. Dabei gibt es in einer Grundschule im Prinzip nur zwei Kundenkreise: die Eltern und das Kollegium - Schüler spielen höchst vermutlich eine geringere Rolle. In anderen Schulformen ist dies erneut zu überdenken.
- Ein Schulprogramm ist kein Rechenschaftsbericht und auch kein Archiv, in welchem Fotos von Klassenfahrten etc. aufgeführt werden. Sicherlich ist es bei einigen Themen sinnvoll, Dinge aus der Vergangenheit festzuhalten - insbesondere dann, wenn es Erfolge sind. Wenn dazu auch noch die Ursachen für diese Erfolge dargelegt werden können, sollte der Aspekt der Historie unter der entsprechenden Überschrift aufgeführt werden.
Umfang des Schulprogramms
Sowohl Eltern als auch Kollegiumsmitglieder lesen nicht gerne, wenn es sich um Richtlinien und Programme dreht. Also muss die Attraktivität gegeben sein, sich informieren zu wollen. Alles läuft darauf hinaus, ein Marketingkonzept für die Vermarktung des eigenen Schulprogramms zu überdenken. Es ist nicht mehr Stand der Dinge, ein Schulprogramm in schriftlicher Form im Aktenordner oder ähnlich bereitzuhalten. Wer würde es wirklich lesen, um sich zu orientieren? Insbesondere, wenn ein Schulprogramm 80 Seiten oder mehr hat. Erst die schnelle Verfügbarkeit von Informationen und die zielgerichtete Informationsbereitstellung macht es für den Leser oder für den "Surfer" interessant. Neugier entsteht. In der heutigen Zeit sollte sich die Schule medienorientiert organisieren, damit der Kopiereraufwand, damit der Anpassungsaufwand durch erneute Arbeitsgruppenbesprechungen und Anpassungen minimiert werden kann. (Im Amtsblatt 01-2010 wird auch darauf hingewiesen).
Lösungsansätze
- Loseblattsammlung (welches Format, DIN A5, DIN A4, geringelt, gebunden, geheftet, etc.)
- Erstellung einer CD mit dem Schulprogramm inklusive ausführlicher Grafiken oder Ähnlichem. (Hat allerdings den Nachteil, dass nicht überprüft werden kann, ob die Kundenkreise die aktuelle Version oder eine überarbeitete Version benutzen.)
- Flyer (gezielt pro Zeiteinheit oder gezielt pro Kernthema)
- Homepage (ganzseitig oder in Spalten, mit oder ohne Grafiken etc.)
- Insbesondere die Veröffentlichung im Internet ist gut zu durchdenken. Es ist wohl zweifelsfrei richtig, dass jedes Jahr mehr und mehr Menschen das Internet und die elektronischen Medien nutzen, um sich zu informieren. Erst im digitalen Medium ist es möglich, durch Hyperlinks entsprechende Suchroutinen funktionieren zu lassen. Bei den Printmedien ist dies kaum möglich.
Beispiele
Wenn Leitsätze oder Schulprogrammthemen beschrieben werden, ist darauf zu achten, die Evaluierbarkeit mit anzusprechen. Schreiben Sie also zu Ihren Aussagen immer eine überprüfbare (evaluierbare) Komponente dazu.
Beispiel: Wir legen Wert auf Weiterbildung und verfolgen diesen Aspekt. (Diese Aussage ist zu allgemein gehalten und nichtssagend, obwohl sicherlich verstanden ist, was gemeint ist). Besser: Wir legen Wert auf Weiterbildung und verfolgen diesen Aspekt, indem wir: (Und nun wird eine Konkretisierung vorgenommen. Erst durch die Konketisierung bekommt die Aussage für die entsprechende Schule einen Sinn und kann auch evaluiert werden)
> Ein professionelles Weiterbildungskonzept umsetzen und die neuen erlernten Fähigkeiten sinnvoll und nachprüfbar einsetzen.
> Uns an den demografischen und regionalen Entwicklungen orientieren. Etc.
…
Beispielaussage: Wir machen Unterrichtsinhalte, Unterrichtsvorhaben und Leistungsmessung transparent. (Diese Aussage wird von einigen Eltern möglicherweise nicht verstanden, weil es sich sehr theoretisch anhört).
Besser: Wir machen Unterrichtsinhalte, Unterrichtsvorhaben und Leistungsmessung transparent, indem wir: und nun ist ebenfalls eine Konkretisierung vorzunehmen...
Weiterführende Literatur / Quellen
Philipp / Rolff: Leitbilder und Schulprogramme entwickeln, Beltz Verlag 1998.
Ministerium für Schule, Jugend und Kinder NRW, Schulprogramm – eine Handreichung, Rittersbach Verlag 1998 / 2005.
Veröffentlichte Schulprogramme im Internet.
Lesen Sie weitere Überlegungen zur Thematik "Leitbild, Schulen und Schulprogramm"
-> Vom Leitbild zum Schulprogramm (Grundlagen)
-> Vom Leitbild zum Schulprogramm (1) (Schulgesetz und QA)
© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel 01/2010
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern etc. zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
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