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Hier gibt es Neuigkeiten der Stiftung "Partner-für-Schule"

Didacta-Magazin

Wo soll es hingehen?

Seit einigen Jahren läuft in Nordrhein-Westfalen ein Programm zum Coaching von Schulleitungen durch Personen, die bisher in der Wirtschaft in Führungspositionen gearbeitet haben und entweder aus Alters- oder sonstigen Gründen daran interessiert sind, Schulleitungen der unterschiedlichsten Schulsysteme zu coachen. Das Programm basiert auf der Stiftung „Partner-für-Schule“.

Es soll erreicht werden, dass sowohl Führungserfahrung vermittelt wird, als auch Projektmanagement, Personalmanagement und weitere Themen aus anderem Blickwinkel heraus diskutiert werden können.
Gelegentlich verläuft der Prozess der Annäherung zwischen einem Coach mit mehrjähriger Führungserfahrung aus der Wirtschaft und der Schulleitung nicht problemlos. Auf beiden Seiten sind Konflikte vorprogrammiert, wenn in der Annäherungsphase nicht gelernt wird, die jeweils andere Welt verstehen zu wollen und letztendlich auch verstehen zu müssen.
Viele Gespräche thematisieren die Arbeitszeit in der Schule und die Belastung durch Nebenarbeiten, die außerhalb der Schule anfallen.

Die ersten 500 Tage

Hinweis:Die nachfolgenden Beschreibungen sind aus der Sicht eines Unternehmensberaters geschrieben, der sich primär mit Sanierungen in mittelständischen Firmen und Veränderungsmanagement (Changemanagement) beschäftigt. Die Erfahrungen in Schulen beruhen auf Coaching von 7 Schulen unterschiedlicher Schulformen seit mehr als 2,5 Jahren.

Ausgangspunkt

Einerseits sind Schulleitungen in der Regel dankbar dafür, Inputs zur weiteren persönlichen Entwicklung zu bekommen und damit die Beherrschung des Schulalltags einmal aus anderer Sicht der Dinge beurteilt zu bekommen. Andererseits bestehen offene oder unterschwellige Abschottungsmechanismen, die darin begründet sind, dass die Pflicht zur Erfüllung der Anforderungen des Ministeriums sich gegen diese Ratschläge stellt. Ferner spielen persönliche Schutzmechanismen eine Rolle, die gelegentlich auftretenden Inkompetenzsituationen nicht erkennbar werden zu lassen, wenn die immer schneller auftretenden Anforderungen eines Ministeriums erfüllt werden müssen. Vieles ist bei neuen Informationen und Anforderungen in vollem Umfang nicht mehr nachvollziehbar - man fühlt sich in einer Situation des „Funktionierens und der operativen Umsetzung“ und nicht mehr in einer Gestaltungssituation.

Motive

Welche Motive haben SeniorExperten, sich unentgeltlich mit der Schulentwicklung einer Schule zu beschäftigen, wenn sie sich bereit erklären, Schulleitungen coachen? Sind es Faktoren wie Eitelkeit und Selbstbestätigung, noch eine Aufgabe nach Beendigung des normalen Berufslebens zu haben, ist es das soziale Gewissen, ist es das Bestreben, Langeweile im Lebensalter zu vermeiden? Jeder SeniorExperte hat seine eigene Antwort darauf.
Welche Motive haben anderseits Schulleiter, ein Angebot von Menschen anzunehmen, die keinen direkten Schulhintergrund haben, um gecoacht zu werden? Sind es Aspekte der Bequemlichkeit und Auffassung „kostet ja nichts“, ist es wirkliche Neugier, ist es eine Art von Arbeitsverlagerung oder Ersatz für SchiLF?
Die Antworten zu den Fragen sind mit ausschlaggebend für die weitere Entwicklung des Coachingprozesses und können nur individuell gegeben werden.

Suche nach Sinn

Sicherlich ist es nicht möglich, eine allgemein gültige Beurteilung eines Coachingprozesses in der Beziehung, bzw. Kooperation zwischen einem "Wirtschaftscoach" und der Schulleitung vorzunehmen. Jeder Fall ist anders. Es hängt von der Lernfähigkeit der Schulleitung einerseits und vom Einfühlungsvermögen des Coaches andererseits ab, inwieweit ein positiver und effizienter Lern- und Umsetzungsvorgang auf beiden Seiten erfolgen kann. Weiterhin hängt es davon ab, in welcher Situation sich eine Schulleitung befindet. Gibt es keinen starken Druck zum Überleben der Schule durch die demografische Entwicklung in der Region, so sieht die Situation der Aufnahme von Ratschlägen aus der Wirtschaft anders aus, als in der Situation, wo eine Schule über ihr eigenes "Überleben" nachdenken muss.
Für einen "Wirtschaftscoach" besteht die Problematik häufig darin, die bisher verfolgten Kriterien von Schnelligkeit (zeitlicher Aspekt), Kosten und Qualität (Kundenorientierung) - das „magische“ Dreieck - bei Umsetzung im Schulbetrieb nicht unbedingt anwenden zu können.
Oder doch?

Ansätze

Es gibt etliche Ansätze für eine Verbesserung in der Schulorganisation, die in Schulen berücksichtigt werden sollten. Dazu gehören beispielsweise Erfahrungen des SeniorExperten zum Projektmanagement. (Die Voraussetzung ist natürlich, dass die entsprechenden Führungskräfte aus der Wirtschaft diesbezüglich erfahren genug sind, den Unterschied von Projektmanagement in Konzernen und Projektmanagement im Mittelstand differenzieren zu können.) Schule ist mit Mittelstand gut zu vergleichen, Konzernstrukturen passen nicht.

Zu den Verbesserungsansätzen gehören auch weiterhin Hinweise zum Qualitätsmanagement, zum Personalmanagement und zum Umgang mit Budgets.

Die aufgezählten Themen betreffen primär eine fachlich-organisatorische Beratung eines Coachingprozesses. In vielen Fällen jedoch ist dies nur die sekundäre Aufgabe eines Coaches für Schulleiter. Die primäre Aufgabe besteht darin, Unsicherheiten der Schulleitungen zu kompensieren, die ihre Ursache häufig in den Vielfalt und Anzahl von Gesetzen und Vorschriften haben. Unsicherheiten im Schulmanagement, Unsicherheiten in der Einschätzung eigener Führungsfähigkeit, Unsicherheiten bei der Interpretation von Gesetzen und Durchführungsbestimmungen!

Die oft auftretende Frage lautet:
„In welche Richtung soll ich mich als Schulleiter entwickeln?“ Was muss ich ändern, was ist schon gut, was verlangt ein Umdenken …?Wenn Eigenverantwortlichkeit wirklich gelebt und praktiziert werden soll, müssen auch die Kompetenzen eindeutig geregelt sein. Sind sie es wirklich, oder spielt eine Bezirksregierung nicht doch noch stark mit?

Wasch mir den Pelz ...

Mit ausschlaggebend für die Beurteilung der Beziehung zwischen einem Wirtschaftscoach und der Schulleitung ist der Grad des gewünschten Einflusses. Versteht sich der Wirtschaftscoach als Berater einer Schule, so wird er sich auch umsetzungsorientiert oder ergebnisorientiert verhalten und dementsprechend kommunizieren. Versteht er sich eben „nur“ als persönlicher Coach – das ist keine Wertung - kann es passieren, dass zwar ein angenehmes Verhältnis entsteht und auch gelebt wird, der Schulentwicklungsprozess aber nicht besondern effizient abläuft. Man wird sich bei einigen Themen zum Projektmanagement und zur Qualitätsanalyse im Kreise drehen.
Letztendlich findet ein Prozess statt, der einerseits dem Wunsch von Schulleitungen entspricht und andererseits Zurückhaltung oder im Extrem sogar Ablehnungen erzeugt. (Die Geister, die ich rief).
Das Rollen- und Funktionsverhältnis ist zu klären. Als „begleitender“ Coach ist anders zu arbeiten als „mitgestaltender“ Coach. Das Kriterium ist die Verbindlichkeit und damit wird letztendlich das Gesamt-Projektmanagement angesprochen.

Ursachen

Worin ist die Ursache zu suchen? Wie allgemein bekannt ist, müssen Schulen sich zu den Begriffen "Selbstständigkeit" und "Eigenverantwortlichkeit" in der Zukunft weiter entwickeln. In persönlichen Gesprächen des Unternehmensberaters, – der, wie bereits erwähnt, als Wirtschaftsberater und Wirtschaftscoach mit Schulleitungen in einer Förderschule, zwei Grundschulen, zwei Realschulen, einer Hauptschule und eines Gymnasiums arbeitet, - wurde übereinstimmend bestätigt, dass die kommunizierten Methoden und Vorgehensweisen der Schulaufsicht und des Ministerium nicht gerade optimal geeignet sind, Schulleiter und stellvertretenden Schulleiter auf dieser Aufgabe ausreichend vorzubereiten. (Quelle: Onlinebefragung UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel. Quelle: http://www.deubel.de/schulqualitaet/index.php

Einer der möglichen Gründe könnte darin liegen, dass sowohl bei der Schulaufsicht als auch an den verantwortlichen Stellen im Ministerium nicht ausreichend Kenntnisse darüber vorhanden sind, wie in der Wirtschaft wirklich gearbeitet wird. (Politik verfolgt nicht die gleichen Ziele wie die Wirtschaft??!!)

Das Führungssystem in den erweiterten Gremien der Schulaufsicht besteht darin – zumindest erscheint es so aus Sicht der Schulleitungen -, über Statistiken und Datenerfassungen zu "führen". Die erwartete „Beratung“ findet nicht wirklich statt. Folglich: Die Diskrepanz zwischen der Befolgung von Gesetzen und Durchführungsbestimmungen einerseits und der Aufgabe, wirklich selbstständig einen Schulbetrieb aufzuziehen und eigenverantwortlich zu führen, ist erkennbar.

Schulleiter sind Führungskräfte

Schulleiter sind Menschen, die in der Wirtschaft als Führungskräfte oder Manager bezeichnet werden. Dieser Begriff sollte hinsichtlich der beiden Begriffe „Führung“ und „Kräfte“ betrachtet werden. Allein schon bei der Frage, was Führung bedeutet, werden sich schon unterschiedliche Sichtweisen herausstellen. Und bei dem zweiten Begriff "Kraft" gibt es auch etliche Überlegungen. Die Managementlehre in der Wirtschaft bietet einen großen Fundus an Informationsquellen, wie Führung praktiziert werden sollte. Eines dürfte jedoch in jedem Fall klar sein: Führung bezieht sich immer auf Menschen und nicht auf organisatorische Regeln.
Die von den unterschiedlichsten Autoren empfohlenen Modelle zum Thema „Führung“ sind ebenso vielfältig, wie die Vielfalt von Organisationen. Was ist also den unterschiedlichen Schulsystemen zu raten?

Fragen zur Selbstreflexion und zur Vorbereitung der Coachinggespräche können sein:

Aus Sicht des Managementberaters gibt es letztendlich nur wenige Richtlinien, die für eine erfolgreiche Führung eine Rolle spielen. Sie beginnen mit der Identität der jeweiligen Führungskraft. Sie muss sich permanent selbstreflektierend überprüfen, ob sie noch alle Ziele und Teilziele in der Organisation überschaut – die sie hoffentlich auch selbst verkündet hat -, ohne diese Selbstkritik als lästig zu empfinden. Grundlage ist natürlich, dass formulierte Ziele vorhanden sind, so dass sich andere Menschen – in diesem Fall das Kollegium, Schüler und Eltern und selbstverständlich die Stellvertretung der Schulleitung danach richten können. Besteht kein Leitbild, kein Schulprogramm oder eine ähnliche Kommunikationsgrundlage, wird voraussichtlich die Effizienz und die Effektivität des Schulbetriebs bestenfalls Mittelmaß sein. Dies wird sich an den Abschlüssen der Schüler, der Krankheitsrate im Kollegium und in langweiligen oder ineffizienten Besprechungen dokumentieren – um nur einige Aspekte aufzuzeigen. (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel)

Was kann ein Coach bewirken?

Grundsätzlich kann er natürlich nur dann etwas bewirken, wenn beim Coach einschlägige positive Erfahrungen aus der Wirtschaft zu den Problemstellungen der Schule vorliegen.
Weiterhin kann er nur dann etwas bewirken, wenn die entsprechende Schulleitung an diesem Wissen und der Erfahrung auch wirklich interessiert ist und selbst einen Lernvorgang damit einleitet. Dieser Lernvorgang ist bei mehrjährig tätigen Schulleitungen zunächst zu sensibilisieren. Hier prallen das Sicherheitsgefühl und die damit verbundenen Routinen aus der Vergangenheit und das Zulassen von ungewohnten Denkweisen aufeinander.
Schulleitungen haben vertiefte pädagogische Erfahrungen junge Menschen betreffend. Pädagogische Konzepte bei der Schulung von erwachsenen Menschen sind eher weniger ausgeprägt. Führungslernen ist in keinem Fall zu vergleichen mit dem Lernen zur besseren Bearbeitung von Regeln, von Gesetzen und Vorschriften. Führungslernen ist zunächst eigenes „Verlernen“, nämlich dass es nur einen Weg zum Erfolg gibt und politische „Kontakte“ nur bedingt zum wirklichen Erfolg führen. Verantwortung hat einen natürlichen Zwilling: man muss Unsicherheit zulassen.

Eine der Problematiken besteht darin, die Bedeutung der Worte „Kunde“ und „Markt“ neu zu erkennen.

Fazit nach 500 Tagen

Wie bereits erwähnt, jede Kooperation ist anders. Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Denk-, Verhaltens- und Erfahrungswerten treffen im Coachingprozess aufeinander. Da in der Regel keine „Newcomer“, sondern Menschen mit spezifischen Berufserfahrungen aufeinandertreffen, sind zunächst die gegenseitigen Einstellungen zum Gesamtprozess des Coachings abzustimmen. Scharf ausgedrückt: die Fronten müssen geklärt sein.
Erst wenn für den Prozess die Verantwortungen, das Commitment und die jeweiligen Fähigkeiten geklärt sind, können die Sachthemen bearbeitet werden und erst dann werden sich auch in der Schule Verbesserungen ergeben. Andernfalls werden nur kosmetisch anmutende Symptome bearbeitet.


© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern etc. zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.



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