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Didacta-Magazin

Basisüberlegungen

Die Diskussionen um Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement haben bereits seit einigen Jahren auch die Schulen und die sonstigen Bildungsinstitutionen erreicht. Wie auch in den ärztlichen Bereichen (u.a. Kliniken, Altersheime und Praxen) sollen nun auch Bildungsinstitutionen der unterschiedlichsten Art mit den Denkweisen und Abläufen von Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement vertraut gemacht werden. In der Wirtschaft sind diese beiden Begriffe nahezu weltweit etabliert und es haben sich in den letzten 60 Jahren etliche Normen und Richtlinien entwickelt, wie diese beiden Begriffe zu verstehen sind. Waren es zu Beginn dieser Diskussionen noch vornehmlich die Produkte von Herstellerfirmen, die im Mittelpunkt der Betrachtung standen, so sind es zum heutigen Zeitpunkt die Abläufe, die Prozesse, die dazu führen, dass Produkte anforderungsgerecht, d.h. kundengerecht hergestellt werden. Weiterhin hat sich bis zum heutigen Zeitpunkt ein gut erkennbarer Trend entwickelt, dass Qualitätsmanagement primär eine Führungsaufgabe der Leitungsfunktionen ist. (Qualitätssicherung ist im heutigen Verständnis mehr der statische und operativ durchzuführende Vorgang).

Wenn also Qualitätsmanagement in Schulen angesprochen wird, so beginnt dies mit der konkreten Aufgabenstellung an die Schulleitungen. Wenn weiterhin verstanden worden ist, das Qualitätsmanagement eine Managementaufgabe ist, so reden wir letztendlich über Schulmanagement im weitesten Sinne. Müssen Pädagogen denn nun Manager werden?
Deutschland gehört nicht zu den Initiatoren dieser Bewegung, andere Länder in Europa arbeiten bereits seit Jahren an dieser Thematik. Die Initiatoren des Wettbewerbs "Die beste Schule" haben nach Ansicht der Beratung sicherlich etwas Positives in Bewegung gebracht, haben dabei aber auch nicht vergessen, sich selbst darstellend ins rechte Licht zu setzen. Dies sollte die Schulleitungen nicht weiter interessieren, sondern es sollte der Augenmerk darauf gelegt werden, sich unabhängig und selbstständig (selbst stehend) zur Suche nach Verbesserung im eigenen Schulbetrieb zu organisieren. Selbstverständlich wird es notwendig sein, einige sichtbare (aber auch unsichtbare) Hürden zu überwinden. Insbesondere die Hindernisse, die nicht im eigentlichen Schulbetrieb liegen, sondern in den externen Randbedingungen zu suchen sind, verlängern ein solches Projekt und gelegentliche Ermüdungsphasen sind zu erwarten.

In der Wirtschaft wird Erfolg oder Misserfolg einer Organisation durch die Bewertung von drei Kategorien vorgenommen. Die Kategorien "Zeit", "Kosten", "Qualität" werden je nach Randbedingungen und Aufgabenstellung der Organisation als Indikator für die fortschrittliche Entwicklung aufbereitet. War es bis vor einiger Zeit noch der Aspekt der Kosten, der im Mittelpunkt aller Reorganisationsbemühungen stand, so wird heutzutage zunehmend Problematik der Zeit bearbeitet. Wir müssen in der Wirtschaft also nicht nur billiger werden, sondern dies auch noch in viel kürzeren Zeitabständen erreichen. Das Problem ist die Messbarkeit. Zeit und Kosten haben eindeutige Maßeinheiten, Qualität aber hat keine eindeutige Maßeinheit, sondern muss über Hilfsgrößen definiert werden. Es kann nur der Erfüllungsgrad der Anforderungen sein – wenn er denn objektiv festzustellen wäre.

Da sich nun nachgewiesenermaßen in den letzten 10 Jahren immer stärker erkennbare Tendenzen zeigen, Dienstleistungsorganisationen (Non-Profit-Organisationen) - und Schule ist so eine Organisation - ebenfalls mit den Prinzipien der Wirtschaft, nämlich schneller günstiger und qualitativ besser werden zu müssen, vertraut zu machen, ist ein professionelles Veränderungsmanagement notwendig. Dieses Veränderungsmanagement kann sich nur positiv gestalten, wenn die Schulleitungen in vollem Umfang an dieser Aufgabenstellung arbeiten. Die Problematik besteht nicht darin, neue Grundsätze zu übernehmen, sondern sie besteht hauptsächlich darin, eine Flexibilisierung hinsichtlich des Schulbetriebes durch die volle Unterstützung des Kollegiums, der Schüler und der Eltern – also aller Parteien - zu bewerkstelligen.

Nicht alles, was von hoher Stelle als allein seligmachende Lösung in der Bildungspolitik verordnet wird, ist objektiv richtig. Jeder Minister versucht politisch so schnell wie möglich am eigenen Testament zu arbeiten und darin ist nichts Verwerfliches zu sehen. Leider wird dabei übersehen, dass auch die pragmatische Umsetzung neuer Gedanken auf dem Behördenweg sehr lange dauern und nicht wie in der Wirtschaft von der Frage des eigenen finanziellen Überlebens geprägt ist.
Ein weiteres Manko besteht darin, dass Schule nicht die Disziplinarmittel wie die Wirtschaft einsetzen kann, um ihre Interessen durchzusetzen. Lohnkürzungen, Abmahnungen, Entlassungen sind wohl kaum möglich. Was überbleibt ist, der manchmal verzweifelte Versuch von Schulleitungen, das Kollegium auf Kurs zu bringen und Freude an der organisatorischen Arbeit zu transferieren. „Was soll mir denn schon passieren, ich habe noch ca. 8 Jahre, und da mache ich diesen neumodischen Kram nicht mehr mit …“, sagt die eine Kollegin, und entzieht sich damit dem Gemeinschaftssinn. „Qualität an Schulen, was soll das, ich habe meine Revision doch schon längst hinter mir…, und außerdem ich will mich nicht überwachen lassen…“ sagt ein anderer Pädagoge.

Möglicherweise sind dies nur Ausnahmen. Was aber in jedem Fall damit angesprochen werden sollte, ist die Hinwendung zur Teamarbeit, was etwas anderes ist als die normale kollegiale Zusammenarbeit.

Warum die Suche nach Zertifizierungen, nach Auszeichnungen oder Wettbewerben? Wenn eine Schule beispielsweise nach der ISO-Norm zertifiziert ist, ist dann die pädagogische Leistung damit gemeint oder nur dokumentiert, dass die Organisation so ist, dass gute pädagogische Leistungen ermöglicht und überwacht werden? Ging es früher nicht auch ohne? War das Schulsystem vor 50 Jahren so schlecht, dass es x-mal reformiert werden musste und wer waren die Initiatoren? Fragen, die im Zusammenhang mit der heutigen Tendenz zur Zertifikaten und Zeugnissen sicherlich gestellt werden dürfen.
Eine der Problematiken liegt im heutigen Verständnis von Autorität und Macht, und dies betrifft alle am Schulsystem direkt oder indirekt beteiligten Personen oder Institutionen. Wo die natürliche Autorität durch die immer offensichtlicher auftretende Anonymisierung in unserer Gesellschaft schwindet, müssen Regeln und Gesetze ausgleichen. Um es nicht zu negativ werden zu lassen, die Gesetze, Regeln und Vorschriften sind nicht das Problem, sondern eine der wirklichen Ursachen: die Kompensation von Unsicherheiten.

Wenn eine Schule ein Qualitätsmanagementsystem nach den heutigen Erkenntnissen aufbauen will oder aufbaut, so ist das wertvollste an der ganzen Geschichte mit dem philosophischen Ausdruck „DER WEG IST DAS ZIEL“ zu beschreiben. Nicht die Erfüllung, sondern die Suche nach einer Optimierung sollte im Mittelpunkt stehen.

Lsen Sie weitere Informationen zum Thema "Qualität in Schulen"
-> Leitbildentwicklung in Schulen
-> Schulqualität


© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern etc. zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.



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Kommentar zu "Qualitätsmanagement an Schulen"

5 Kommentare

02.05.2012 23:56 keywivk E-Mail
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02.05.2012 19:30 vluwuotl E-Mail
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01.05.2012 21:25 rfbsdkfi E-Mail
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01.05.2012 03:14 njfmumo E-Mail
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30.04.2012 15:07 Jesus E-Mail
Ive been stuck on chapter 11 for about 4 weeks now, dont feel bad. Of coruse, to try and compensate, I started a short story and I feel even worse because now I have TWO things not done!