Um was geht es?
Auf dem Kongress der Stiftung "Partner-für-Schule", siehe: (www.partner-fuer-schule.nrw.de) Anfang September 2007 wurden sowohl von der Wirtschaftsministerin NRW Frau Dr. Thoben als auch von der Schulministerin NRW Frau Barbara Sommer auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass Schule und Wirtschaft weiter zusammenwachsen müssen. Dies wird wohl allgemein kaum noch bezweifelt.
Nicht nur die Schülerinnen und Schüler sollen auf den Alltag und die Berufswelt nach der Schule vorbereitet werden, sondern auch die Lehrerinnen und Lehrer und insbesondere die Schulleitungen müssen sich damit auseinandersetzen, wie sie ihre Schüler auf die Anforderungen der weiterführenden Schulen oder nach Schulabschluss auf die Anforderungen im Berufsleben einstellen. Der Markt ist der Endkunde der Bildungspolitik im Schulbereich. In Wirklichkeit sind aber etliche Schulen - bedingt durch die von den Bildungspolitikern geschaffenen Randbedingungen - immer noch dabei, den Begriff des Kunden nur auf Schüler und Eltern zu beziehen.
In sofern macht es Sinn, darüber nachzudenken, wie die weitere Verselbstständigung der Schule durch die Schulleitungen ermöglicht werden kann.
Verantwortungen ändern sich
Wie bereits mehrfach von Politikern, Professoren, Schulentwicklern etc. angesprochen, ist der Trend zur "selbstständigen Schule" , bzw. „eigenverantwortlichen Schule“ nicht zurückzudrehen. Schulen sollen eigenverantwortlicher als in der Vergangenheit geführt werden. Eigenverantwortlicher im Bereich der pädagogischen Leistungen, aber auch eigenverantwortlicher in der Organisationsarbeit. Damit wird ein Teil der Verantwortung für das Bildungssystem in der Bundesrepublik auch auf die Schulleitungen übertragen. Leider sind die Ausbildungen für die Schulleiter, dieser Organisationsaufgabe in vollem Umfang gerecht zu werden, bisher nicht gerade optimal, um es vorsichtig auszudrücken. Außerdem sind die Vorstellungen der Politiker in den Landesregierungen, was der Begriff Management eigentlich wirklich bedeutet, nicht selten von einigen Illusionen gefärbt. Liest man die Beschreibungen, beziehungsweise die Anforderungen, die zukünftig von Schulleitern zu erfüllen sind, so müssen dies im Vergleich zu Führungskräften in der Wirtschaft Übermenschen sein. Nicht nur allein, dass sie ihre pädagogischen Fähigkeiten ständig unter Beweis stellen müssen, sondern sie müssen auch ein Optimum an Managementfähigkeiten haben. (... Sie erstellen praktikable und wirksame Geschäftsverteilungspläne, motivieren ihr Kollegium und schweißen es zu einem Team zusammen, entwickeln Lehrpläne, bringen die Schüler zu Bestleistungen, etc.??!!)
Vergleich
In der freien Wirtschaft (gibt es die überhaupt?) haben es Manager doch im Vergleich dazu relativ einfach?! Sie haben zwar ebenfalls mehrere Kunden - beziehungsweise Kundenarten (den Endkunden, die Gesellschaft, die Anteilseigner, die Mitarbeiter) - müssen aber vergleichsweise nicht derartig viele Daten für andere Institutionen aufbereiten oder bereitstellen. Schulleiter haben ebenfalls mehrere Kunden: die Schüler selbstverständlich, die Eltern, die Behörden, die Gesellschaft als Gesamtheit und das Kollegium. Je nach Randbedingungen ist es gelegentlich nicht ganz einfach, festzulegen, welche die Primärkunden und welche die Sekundärkunden sind. Schulen und Schulleiter haben ebenso wie die Ärzte neben ihrer eigentlichen fachlichen Aufgabenstellung ein erhebliches Maß an Statistiken, Daten jeglicher Art anderen Institutionen zur Verfügung zu stellen. Diese Daten werden dann ausgewertet - nicht immer durch Menschen, die von der Sache etwas verstehen. Die Auswertungen führen dann in der Regel wieder zu neuen Anforderungen oder zu leichten Korrekturen, wie das entsprechende System zu verbessern ist. (Was auch immer mit "besser" gemeint sein kann.) Die unendliche Schraube der Evaluation beginnt sich zu drehen.
Wenn ein Manager seine Aufgabe nicht richtig erfüllt, wird die Leistungsmöglichkeit einer Organisation nicht voll ausgeschöpft und im Extrem geht die Firma pleite. Im Schulbereich ist es anders. Schulen gehen zwar nicht pleite, aber die demografische Entwicklung hat Einfluss auf die Entscheidung der Eltern, auf welche Schule sie ihr Kind schicken werden. Es gilt also, nicht nur Anreizsysteme für die Eltern aufzubauen, sondern das Image einer Schule als Gesamtheit zu bearbeiten, um im Wettbewerb mit anderen vergleichbaren Schulen in der Region Sieger zu werden. Falls hier Fehler gemacht werden, werden Schulen aufgelöst oder zusammengelegt.
Die Aufgabenstellung für Schulleiter, sich eigenverantwortlich mit dem Image ihrer jeweiligen Schule auseinanderzusetzen, um es zu verbessern, ist relativ neu. Warum ist dies notwendig? Weil nur durch die ausreichende Anzahl von Schülern ein Schulbetrieb effizient ermöglicht werden kann. Ein gutes Image erzeugt eine Anziehungskraft für Eltern - eine der wichtigsten Gruppen der „Schulkunden“.
Auch in der Wirtschaft ist Image ein Überlebensfaktor – insbesondere im Dienstleistungsbereich -, nicht nur der Preis von Produkten.
Es gibt in der Wirtschaft nur wenige Möglichkeiten, sich im Wettbewerb zu behaupten. Eines bleibt in jedem Fall richtig: Man muss seine Kernkompetenz kennen und die Ressourcen dafür einsetzen, diese Kernkompetenz nach innen und außen zu dokumentieren. Natürlich im Vergleich zum Wettbewerb, alles andere ist nur Nabelschau. Machen mehrere Firmen das Gleiche, haben gleiche Produkte, wird im Fall der gleichen oder annähernden Qualität der Preis entscheiden. In der Wirtschaft befindet man sich somit entweder in einem Verdrängungswettbewerb (in diesem Fall auch die Schule?) oder in einer "Nische" (das heißt, es ist eine besondere Schule mit einer besonderen Kompetenz und nicht vergleichbar mit anderen Schulen, Elite?)
„Wohin will ich meine Schule steuern?“ ist eine Frage, die sich Schulleitung heutzutage stellen muss.
Mark Twain soll gesagt haben: "Als sie das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen!" Ziele, und zwar Ziele, die konsequent und kontinuierlich verfolgt werden, sind notwendig. Wenn also die Bildungspolitik immer wieder davon abhängt, welche Partei in der Bundesrepublik oder im Landesbereich gerade regiert, kann eine Kontinuität nicht ermöglicht werden. Alle wollen schließlich nur das Beste, haben aber nicht versucht, aus dem "Guten" das Optimum herauszuholen. Da hilft auch nicht der eingeleitete Evaluationsmarathon. Die Evaluation ist sicherlich ein gutes Mittel, den jeweiligen Stand im Bereich der Pädagogik, der Resultate und der internen Organisation festzustellen. Es sollte aber nur das evaluiert werden, was dazu dient, die Aufgabenstellung der jeweiligen Schule bezogen auf die Kundenerwartungen zu verbessern.
Unterschied
Wenn Schulleitungen jetzt Verhaltens- und Denkweisen von Managern übernehmen sollen, ist doch die Frage erlaubt: Was ist eigentlich ein Manager? Worin besteht denn nun der Unterschied zwischen Management und Führung? Worin besteht der Unterschied von Führung und Leitung? Eine schwierige Frage, bei der sich auch die Fachleute aus der Wirtschaft hinsichtlich der richtigen Antwort nicht ganz einig sind.
In aller Kürze kann darauf hingewiesen werden, dass „managen“ den eher sachlichen Teil von Führung beschreibt und kann beschrieben werden durch Aussagen wie: Entwicklung von Strategien, das Definieren von Abläufen, das Optimieren von Prozessen, das Treffen von Entscheidungen. Führung im Sinne von Leitung dagegen bedeutet: erklären, vorleben, Ziele vereinbaren, kontrollieren, unterstützen, intervenieren, helfen. Führung ist also nicht gleichbedeutend mit Management, Management allerdings verlangt in jedem Fall Führung.
Neu ist meist auch, dass Schulleiter nicht nur Dienstvorgesetzte sind, sondern eben Aufgaben der Personalführung – zunächst im Kollegium – wahrnehmen müssen. Nicht jedem liegt es, vom ehemaligen Status des „Kollegen“ in die Rolle des Vorgesetzten zu rutschen.
Der Mensch im Mittelpunkt
In den aktuellen Diskussionen über die richtige Managementart wird immer wieder betont, den Mitarbeiter, den Menschen in den Mittelpunkt der Veränderungsbemühungen zu stellen.
Es stellt sich allerdings für Schulen und hier für die Schulleiter die Frage, welchen Menschen man in den Mittelpunkt des Interesses und der eigenen Bemühungen stellen sollte. Ist es der Schüler, sind es die Eltern, sind es die Schulinspekteure, sind es sonstige Politiker, sind es die Menschen im Kollegium? Man kann es nicht allen recht machen. Wenn es trotzdem versucht wird, so kann nur ein bestimmtes Mittelmaß dabei herauskommen.
Voraussetzung für gute Personalführung ist das Selbstverständnis der Führungskraft. Sie muss sich identifizieren lassen durch ihre Persönlichkeit und eigene Identität. Es ist ein großer Unterschied mit Kindern oder Jugendlichen zu arbeiten, um ihnen Wissen oder Fähigkeiten zu vermitteln oder sich mit Erwachsenen, wie den Kollegen und den Eltern in einer Führungsposition auseinanderzusetzen. Führung und Motivation gehören zusammen - und zwar sinngebende Motivation. Alles andere funktioniert nicht, sondern bereitet nur den Weg vor für Desinteresse oder sogar innerliche Kündigung bei den angesprochenen Personen.
Der zweite und die folgenden Teile zu diesem Thema werden sich damit beschäftigen, was zu einem Aufbauprogramm, Schulleiter mit den Verhältnissen und Sichtweisen im Management vertraut zu machen – eben aus Sicht der Wirtschaft - zu berücksichtigen wäre.
© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern etc. zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
Wie bewerten Sie diese Seite?
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Bitte bewerten Sie diese Seite durch Klick auf die Symbole.
Sie haben auch nachfolgend die Möglichkeit, einen Kommentar zu diesem Artikel zu schreiben.
Kommentar zu "Schulleitung und Management"
0 Kommentare


