Lehrerzimmer aufräumen?
Das Lehrerzimmer ist derjenige Raum, in dem sich Lehrer zur Unterrichtsvorbereitung und zum Dialog mit anderen KollegInnen treffen. Es sollte ein Raum sein, der einerseits etwas Erholung vom vergangenen Unterricht bis zum bevorstehenden Unterricht und anderseits die Beziehung der KollegInnen untereinander fördern soll - also ein interaktiver Kommunikationsraum.
Jeder sollte sich wohlfühlen, wenn das Lehrerzimmer betreten wird und es sollte kein Raum sein, in dem „abgearbeitet“ wird.
Gelegentlich ist aber wirkliches Wohlfühlen nicht möglich. Die Räume sind entweder zu neutral oder zu überfüllt und zu unaufgeräumt. Unterlagen der vergangen Jahre, Informationsmaterial von externen Dienstleistern oder sonstige Handouts, alte vertrocknete Blumen auf den Fensterbänken erzeugen für den externen Betrachter nicht den Eindruck, dass dies ein Gemeinschaftsraum ist, in dem neue Kraft geschöpft werden kann. Selbst kleine „Rückzugsräume“ oder „Rückzugsecken“ sind nicht wirklich in einem Zustand, der mit einem privaten Raum zu Hause zu vergleichen wäre. Warum ist dies in vielen Schulen so? Wie sieht es aus mit der eigenen Verantwortung von Lehrern, den eigenen „Arbeitsplatz“ in Ordnung zu halten und wenn das nicht gegeben sein sollte, mit der Verantwortung der Schulleitung hier richtungsweisend einzugreifen?
Eigeninitiative ist gefordert.
Kann es sein, dass das äußerliche Bild eines Lehrerzimmers die Schulatmosphäre und die Kollegiumssituation widerspiegelt?
Es geht nicht darum, dass der Schulträger die Ausstattung verbessern soll, es geht darum, dass die vorhanden Ausstattungen einen persönlichen „Touch“ bekommen. Mitgebrachte Blumen müssen auch gepflegt werden und die Kaffeemaschine ist in Ordnung zu halten.
Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang die Ausführungen zur Motivation im Kollegium.
Bei der Evaluation von Schulen unterschiedlichster Schulformen hinsichtlich des „Ordnungszustandes“ in einem Lehrerzimmer sind beispielsweise folgende - zu verbessernde Situationen - vorgefunden worden. (natürlich ist dies nicht repräsentativ. Es sollen nur Anregungen geben werden)
- Die Milch oder die sonstigen Getränke stehen am Montag Mittag immer noch dort, wo sie am vergangenen Freitag gestanden haben. „… ist nicht meine Milch, der Kollege wird sie schon wegräumen …“.
- Lehrerfächer sind voll mit Unterlagen, die schon überholt sind oder die einmal wichtig waren und noch nicht einmal gelesen wurden.
- Der Kühlschrank beinhaltet Joghurtbecher oder leicht verderbliche Getränke oder Speisen, die bereits einen leicht grünlichen Belag aufweisen. (Natürlich nur in anderen Schulen, in der eigenen Schule passiert dies garantiert nicht, weil wir aufeinander aufpassen??!! Wir sind ja ein Team!)
- Die Informationstafeln sind ungeordnet und nehmen undifferenziert alles auf, was mitgeteilt werden soll. Fortbildungsinformationen hängen neben wichtigen Terminänderungen … etc. Eine Verantwortung für die Aktualität, die Richtigkeit und die Wichtigkeit von Informationen an den Tafeln ist nicht geregelt.
Aufgeräumt wird immer zum Ende eines Schuljahres. Eine große Aufräum- und Entsorgungsaktion startet. Dann wird in einer „Hau-ruck-Aktion“ entsorgt, Hauptsache, es wird wieder Platz geschaffen. Im nächsten Schuljahr wird dieser Vorgang dann erneut durchgeführt. In der Zwischenzeit wird wieder angesammelt.
Die Informationstafeln
Bild: Beispiel einer Jahrestafel
In jedem Lehrerzimmer hängen wohl eine oder auch mehrere Aushangtafeln, die – mit vielen Informationen bestückt – über wichtige Informationen für das Kollegium informieren sollten. Jahresübersichten über die im Kalenderjahr oder im Schuljahr konzipierten Projekte, Termine oder Veranstaltungen im DIN-A4-Format in manchmal schwer leserlicher Schrift – weil mehrfach kopiert. Der Aktualisierungsstand ist in Fußzeile oder sonst wie nicht erkennbar.
Eine veränderbare Jahresübersicht, die jedes Jahr (Schuljahr) angepasst werden kann, kann als Magnettafel gekauft werden. Durch Magnetstreifen oder durch korrigierbare Filzstifte ist Aktuelles von Variablem zu unterscheiden. Farben kommen ins Spiel und assoziieren dem Betrachter schnell, was terminlich zu beachten wäre.
Auch hierzu gibt es oft in Schulen erheblichen Korrekturbedarf.
Für die Schulleitung stellt sich die Frage, welchen Stellenwert diese Informationstafel oder Aushangtafel für die interne Kommunikation von Lehrern zu Lehrer oder von Schulleitung zu Lehrer beziehungsweise auch von Eltern zu Lehrern haben sollte. Eine reine Informationstafel wäre ein eindimensionaler Weg. Was bedeutet, es wird ausgehängt, also passiv informiert. Die Schulleitung oder sonst jemand platziert die Information an der Stelle, wo gerade Platz ist. Klebestreifen, Stecknadeln oder Magnethalter werden undifferenziert benutzt. Eine Rückmeldung (Feedback), ob die veröffentliche Informationen auch zur Kenntnis genommen wird und insbesondere, ob dazu auch noch Rückfragen zu beantworten wären, erfolgt in der Regel nicht. ("Ich habe es ausgehängt, und damit ist die Sache für mich erledigt").
Anders sieht es aus, wenn die Schulleitung diese Informationstafeln, Aushangtafeln, Kommunikationstafeln als Möglichkeit ansieht, stichprobenartig zu überprüfen, welche Informationen im Kollegenkreis aufgenommen wurden und welche Resonanz gegeben war. Dies verlangt aber eine besondere Führungsorientierung, nämlich Feedback abzufordern.
Gliederung der Informationstafeln
Die in der Wirtschaft oft vorzufindende "Gliederung" dieser Informationstafeln – insbesondere im Qualitätsbereich - kann auch in Schulen positiv umgesetzt werden. Bei genauer Betrachtung ergeben sich Überschriften wie beispielsweise:
- Schulleitung informiert
- Kollegium
- Fortbildung
- Termine
- Qualitätsentwicklung
- Von uns für uns
- Informationen der Eltern
- Beschwerden oder Verbesserungsvorschläge
- Etc.
Jede Schule, jede Schulleitung sollte sich Überlegungen mit dem Kollegium machen, wie eine solche Tafel – oder mehrere Tafeln - zu organisieren wären. Dazu ist eine Anforderungsliste zu erstellen, welche Kriterien zukünftig erfüllt sein sollen und was geändert werden muss. Es ist dabei zu unterscheiden, ob sich die Informationen auf den Schulalltag oder die Schulentwicklung incl. der Qualitätsentwicklung beziehen.
Legen Sie beispielsweise fest:
>> Wer informiert über was?
>> Wer nimmt veraltete Information weg?
Kommunikation
Bild: Kommunikation und Information
Hintergrund
Das Überangebot an Informationen – insbesondere im Schulbereich – führt bei vielen Menschen dazu, nicht mehr wirklich verarbeiten zu können, was an Informationen, Nachrichten, Anweisungen etc. täglich für die eigene Arbeit verfügbar ist. Dies trifft in besonderem Maße auch für Lehrer zu. Der so genannte „Tunnelblick“ verhindert eine gesamtheitliche Aufnahme von verfügbaren Informationen. Ein Lehrer: „Ich sortiere alles heraus, was für meine Klasse, die Umsetzung meines Berufes notwendig ist, alles andere ist nicht so sehr wichtig“.
Die Schnelligkeit von Veröffentlichungen ist das Problem, nicht die Menge. Schule und Bildung ist in Deutschlands ein beliebter Spielplatz für die politischen Parteien. Es ist also durch die Schulleitung darauf zu achten, gezielt zu informieren – und zwar darüber, was den internen Schulentwicklungsprozess fördert - und nicht alles zu kommunizieren (Nice to have). Damit ist wieder einmal die Eigenverantwortung und die Eigeninitiative angesprochen.
Lösungsansätze
Bild: ... Freitag nach Schulschluss ...
Ordnungssysteme können nur dann greifen, wenn es auch ein Konzept gibt, welche Ordnungsprinzipien zukünftig eine Rolle spielen. Vor allen Dingen: wer achtet auf die Einhaltung? Denken Sie an die Dreierteilung im Staatssystem: ohne Legislative keine Exekutive und keine Judikative.
Allein die Ausarbeitung von Ordnungs- und Ablagesystemen zieht sich in einigen Schulen voraussichtlich schon über ein ganzes Schuljahr hin, es werden Arbeitsgruppen gebildet und die Erkenntnisse werden dann dem Kollegium vorgetragen. Es folgen häufig die Diskussionen, warum das denn alles notwendig ist und warum man das nicht alles auch noch anders machen könnte. Das Oppositionsverhalten im Kollegium überdeckt gelegentlich die Suche nach wirklichen Veränderungen.
Hier hat die Schulleitung die primäre Aufgabe, das Ordnungssystem der Schule nicht in alle Einzelheiten „zerdiskutieren“ zu lassen, sondern nach Konsultation des Kollegiums festzulegen.
Dies betrifft nicht nur die Ordnungssysteme im Lehrerzimmer, sondern auch die Ordnungssysteme in den Sekretariaten bzw. Sekretariat. Nicht selten liegt aber die Situation vor, dass die Schulleitung selbst nicht weiß, wie eine Organisation im Sekretariat aussehen sollte, weil die Sekretärin vom Schulträger gestellt wird.
Zusammengefasst
Eine Gemeinschaft, die leistungs- und ergebnisorientiert arbeitet, benötigt Team- oder Gruppenregeln zur Förderung des Zusammenhaltes. Schulregeln werden in vielen Schulen für die Schüler gemacht, warum nicht auch für das Kollegium bzw. für die am Schulleben beteiligten Personen? („ … wir sind als Lehrer ja schon von Berufswegen Vorbilder …??!!“)
Ordnungsprinzipien sollen Mehrarbeit verhindern. Nicht die Perfektion steht im Mittelpunkt, sondern die Effizienz.
Konzepte und Vorhaben ohne die nachhaltige Überprüfung der Einhaltung sind nutzlos, haben viel Emotion und Energie bei der Erstellung gekostet, bringen aber nichts. Nicht durch Bestrafung werden Veränderungen durchgesetzt, sondern durch den Transfer eines anderen Bewusstseins.
Einer der Garanten für die Verbesserung von Ordnungssystemen, der Befolgung der internen Regeln ist das konsequente Vorleben der Schulleitung. Es geht nicht anders. Die (gegebene) Autorität und der Respekt vor der Schulleitung muss als Steuerungsinstrument eingesetzt werden.
Lesen Sie auch:
Wie motiviere ich mein Kollegium? (Teil : Grundlagen)
Wie motiviere ich mein Kollegium (Teil 2)
Eigeninitiative.
© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern etc. zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
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