Um was geht es?
„Papa, was machst Du eigentlich in deiner Firma? Gibt es noch andere Chefs außer dir? Musst du anderen Leuten sagen, was sie tun sollen? Warum darfst du dein Auto in der Firma immer vorne parken?“ So könnten Kinder gelegentlich fragen.
In der Tat ist die Frage nach dem eigenen Status in bestimmten Lebens- oder Berufsphasen zu stellen: Wer oder was bin ich wirklich oder was glaube ich zu sein?
Eine provokante und vielleicht für einige Menschen irritierende Frage, zu der nachfolgend etwas vertiefend Hintergründe erläutert werden.
Das Wort, der Begriff
Status. Ein Wort mit vielen Bedeutungen und unterschiedlichsten Anwendungen. Wer denkt bei diesem Wort nicht sofort an „sozialen Status“, an „Image“, an „Bedeutung“, an „Wichtigkeit“ oder „Macht“ und „Rangordnung“? Der Begriff "Status" wird in unserer Gesellschaft meist im Zusammenhang mit dem sozialen Status eines Menschen verwendet und hat gelegentlich einen leicht negativen (weil bewertenden) Beigeschmack, obwohl der Begriff neutral zu verstehen ist. Es wird die Position eines Menschen innerhalb einer Gesellschaft bzw. Organisation angesprochen, die ein Mensch sich erarbeitet hat oder die ihm von anderen Menschen zugeordnet wird. Der wirkliche Sinn des Begriffes "Status" bedeutet allerdings "Zustand". Was damit erkannt sein sollte: wenn also ein Zustand (ein Status) angesprochen wird, wird direkt die Zeitschiene angesprochen, auf der sich etwas bewegt, etwas bewegt wird und sich verändert. Es kommt der Begriff des „Stadiums“ und auch „Phase“ ins Spiel. Stadium impliziert einen Zustand, der in Bewegung ist und wird in der Regel nicht für technische Zustände verwendet, sondern eher für humanorientierte Betrachtungen.
Wenn Status mit dem Wort „Zustand“ gleichgesetzt werden darf, so gibt es logischerweise einen Zustand von etwas „vorher“ und es wird auch einen Zustand „nachher“ geben. Der Bewegungszustand ist das, was wir Stadium nennen. Der Status quo ist die Black-Box in der gerade etwas abläuft. Status hat also demzufolge etwas mit Veränderungen / Change und der Steuerung und Lenkung von Veränderungen (Change Management) zu tun und ist somit nur eine temporär statische Situation. (Beispiele: Status eines Projektes, Status eines Patienten, Status eines Entwicklungsprojektes, Status in einer Hierarchie, etc.). Status könnte auch – wie schon erwähnt - je nach Kontext mit „Stadium“ gleichgesetzt werden.Wie oben bereits erwähnt, wird in der Alltagssprache „Status“ in der Bedeutung von Rang und Wichtigkeit angewendet, ist aber in Wirklichkeit wesentlich umfangreicher.
Warum kann es interessant sein, sich mit seinem eigenen Status (Zustand) zu beschäftigen? Die Antwort ist ganz einfach, aber mit einigen Konsequenzen verbunden. Statusgedanken erzeugen - wenn der Mensch ehrlich zu sich selbst ist - Bewusstsein, an welcher Stelle des Lebenszyklus er sich befindet. Leben ist nicht unendlich.
Das nachfolgende Bild erläutert die Phasen, Zustände und weiteren Entwicklungen bei Veränderungsprozessen. In jeder Phase läßt sich eine Statusbestimmung vornehmen.
Die Zusammenhänge von Phasen, Stadien und Status werden in einer weiteren Grafik erläutert.
Stadium, Phasen von Veränderungen
Bild nach Glasl: Phasen von Veränderungsprozessen
Einige Zitate zu "Status"
- „Ein Mensch, der sich hauptsächlich um die Befriedigung der Statusbedürfnisse kümmern muss, hat noch nicht ... genügend Kraft ..., sich selbst zu verwirklichen. Er "verwirklicht" lediglich seine äußere Schale, gewissermaßen seine Verpackung.“ (Vera F. Birkenbihl (*1946), dt. Autorin u. Management-Trainerin)
- „Statussymbole sind Orden, die man sich selber kauft.“ (Bernhard Wicki (1919-2000), österr. Schauspieler u. Filmregisseur.)
- „Statussymbole sind die Rangabzeichen der Zivilisten.“ (Vance Packard (1914-96), amerik. Journalist u. Sozialkritiker.)
Statussymbole
Mark Twain sagte einmal: „….Als sie den Sinn ihrer Arbeit verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen.“ Analog dazu könnte man auch sagen: „…als ein Mensch seinen sozialen Status verloren hatte, verdoppelte er die Bemühungen, dies nach außen zu überspielen oder zu vernebeln.
Wenn die Inhalte fehlen, werden die Strukturen oder die Form überbetont.
Statussymbole gehören zum Leben. Es sollte allerdings verstanden sein, dass sie einer gewissen Endlichkeit unterliegen. Sie sind nicht von ewiger Dauer. Es gehört zum normalen Verhalten eines Individuums, den eigenen Status innerhalb eines sozialen Gefüges dokumentieren zu können – teilweise auch zu müssen. Der Zustand in der Gesellschaft (Aufbau, - wie beispielsweise nach dem Krieg -, Konsolidierung und später Sättigung) bedeutet, sich in den jeweiligen Phasen der Entwicklung einer Volkswirtschaft (Status) auch so zu positionieren, dass die eigene Bedeutung für andere Menschen erkennbar ist oder wird.
In Aufbauphasen gilt es zu dokumentieren: „Ich kann mir etwas leisten, was du nicht kannst.“ Ein Versuch der distanzschaffenden Differenzierung. Lange Zeit waren es das Auto, teure Uhren, Wohnungseinrichtungen, Immobilien.
Doch durch Preisverfall und globalen Wettbewerb sind diese Dinge mittlerweile für viele Menschen verfügbar. Die ehemaligen Statussymbole verblassen, neue müssen gesucht und gefunden werden.
Statussymbole sind auf externe Wirkung ausgelegte Kennzeichen. Sie kennzeichnen die aktuelle Bedeutung oder den Zustand, in dem sich ein Mensch befindet und sollen sowohl zuordnen als auch differenzieren. Sie sind das Zeichen, das Sinnbild für einen Status. Es sind nicht ausschließlich Symbole, die sichtbar sind, sondern auch Symbole, die sich erst in Handlungen oder im Verhalten gegenüber anderen Menschen zeigen. Man spricht auch über symbolische Handlungen.
Statussymbole haben ihre wirkliche Bedeutung nur in den gesellschaftlichen / sozialen Verbindungen, die dies auch für wertvoll erachten, bzw. durch Anerkennung bestätigen. „Was gilt ein hochgradiger Wissenschaftler in einem Anglerverein oder in einem Golfclub, wenn er nicht die dort geltenden Bewertungskriterien erfüllt?“
Es gibt eine Fülle von Statussymbolen. Einige Beispiele sind:
- Das Auto. Eine bestimmte Marke oder der Wert.
- Die Kleidung: Bei Männern als Kennzeichen zu einer bestimmten Berufsgruppe zu gehören, bei Frauen ist es Schmuck oder die Markenkleidung. Dies kann natürlich nicht verallgemeinert werden.
- Die Rhetorik I: So zu reden, wie man glaubt, dass in einer bestimmten sozialen Schicht geredet werden würde – ohne es wirklich zu wissen. Einge Menschen ergötzen sich daran, ihr Wissen über jegliche Lebenslage oder Situation zu dokumentieren. Sie meinen "allwissend" zu sein. Wissen ist Macht, heißt es. Viel wichtiger als Wissen ist allerdings darzulegen, dass aus dem Wissen auch Fähigkeiten entstehen oder entstanden sind.
- Die Vereine etc.: Wer etwas auf sich hält, ist in Vereinen oder Verbänden, die den eigenen Status bestärken. Golfvereine, „Club der Unternehmer“, politische Parteien.
- Die Vielfliegerkarte: Sie wird als Zugang zu den VIP-Lounges auf Flughäfen eingesetzt.
- Die goldene Kreditkarte: Kennzeichen von ???
- Die Größe der eigenen Bibliothek / Bücherwand: „Was habe ich nicht schon alles gelesen, wie schlau bin ich??“
- Das Handy, der Laptop etc.: Immer erreichbar sein, Mutti auf dem Flughafen wegen der Bratkartoffeln anrufen …
- Die Körpersprache gekonnt einsetzen: Hochgezogene Augenbrauen, wenn der Gesprächspartner über etwas redet, was nicht zur Welt des Zuhörenden passt. Demonstration von Bewertung.
- Die Rhetorik II: Alles verniedlichen, sich über den Gegenüber lustig machen, was man selbst nicht versteht oder verstehen will, weil das Eigenbild es nicht zulässt.
- Zugehörigkeiten: Flaggen, Stempel, „Member of“, Vereine, Kleidung etc. gehören dazu. Die Uniformität als Ausdruck der Zugehörigkeit zu anderen Gesellschaftsschichten, zu anderen Personen oder auch zu einem anderen sozialen Status wird zwar von den meisten Menschen abgelehnt, aber dennoch praktiziert. Ohne das eigene Handeln wirklich bewusst verstanden zu haben.
Lesen Sie weiter
Teil 1: Grundlagen, Begriffe, Statussymbole
Teil 2: Verlustängste, Typologie von Ruheständlern, die Medien, Veränderungen.
Teil 3: Statusvergleich, Statusneid, Status und Macht, Status und Wertschätzung.
Teil 4: Status und Prozess, Statuskonflikte.
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Es wäre doch so schön …
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© UPD Unternehmensberatung Dr. Peter Deubel. V.:12.06.2011
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
Statusgedanken erzeugen Bewusstsein
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Kommentar "Statusgedanken erzeugen Bewusstsein""
1 Kommentar
02.01.2012
20:12
Kameryn
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Superior thinking demontsrtaed above. Thanks!

