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Der Weg der eigenen Karriere bringt es logischerweise mit sich, dass sich die eigene Rolle und Funktion von Zeit zu Zeit ändert. Innerhalb einer Firma, innerhalb einer Organisation oder innerhalb einer Gruppe werden Menschen, die sich entweder durch besondere Leistungen oder durch besondere Fähigkeiten hervortun, von den Mitgliedern dieser Gemeinschaft oder von Vorgesetzten befördert. Plötzlich ist man nicht mehr Kollege, Teil einer Gruppe, sondern hat eine Leitungsfunktion. Nicht mehr nur die eigenen Interessen stehen nun im Mittelpunkt, sondern die Interessen der Gemeinschaft.
Menschen, die eine besondere fachliche Qualifikation nachgewiesen haben, sind aber dadurch nicht unbedingt fähig, Leitungsfunktionen auszuüben. Auch die oft zitierte „große Klappe“ ist kein Indiz für Führungsfähigkeiten. Dies ist mehrfach wissenschaftlich untermauert worden. Menschen zu führen oder zu leiten, verlangt ein bestimmtes soziales Bewusstsein, Mut, Kritikfähigkeit und was besonders wichtig ist, Belastungsfähigkeit bei Fehlschlägen.In der Industrie bewahrheitet sich sehr häufig der Spruch:
„… wenn man einen Vorarbeiter zum Meister befördert, kann es durchaus sein, dass man einen guten Vorarbeiter verliert und dafür einen schlechten Meister bekommt.“ Diese Grundaussage kann sicherlich auch auf andere Organisationsformen angewendet werden.

Rollen- und Funktionswechsel

Worin besteht eigentlich das Problem bei Rollen- oder Funktionswechseln?
Bei Betrachtung dieser Fragestellung werden die Identifikations- und Statusprobleme und die Organisations- und Ergebnisorientierung berücksichtigt.
Eine Beförderung, die zukünftig auch Menschenführung beinhaltet, erzeugt in der Regel zunächst im Menschen ein gewisses Wohlgefühl, nun etwas mehr Macht als in der Vergangenheit erhalten zu haben, bestimmte Dinge nach vorn zu bringen. Außerdem ist es eine Anerkennung bisher erbrachter Leistungen durch den Vorgesetzten oder die vorgesetzte Stelle. Der Status hat sich nun vom Kollegen zum Vorgesetzten geändert. Zusätzlich zu der Möglichkeit, zukünftig eigeninitiativer zu handeln, ist nun auch dazu gekommen, die Verantwortung für diese Eigeninitiative zu übernehmen (übernehmen zu müssen).
Es gibt aber etliche Fragestellungen, mit denen sich der frühere Kollege und jetzige Vorgesetzte auseinandersetzen muss. Die nachfolgend aufgelisteten Fragen spiegeln wider, wie sich Menschen mit ihrer Situation auseinandersetzen, die sich aus dem Kollegenstatus in einen Führungsstatus innerhalb der gleichen Organisation (Firma, Verein, Schule) entwickelt haben und noch nicht lange in ihrem neuen Amt sind. Diese Fragen dokumentieren ein Gefühl der direkten und indirekten Unsicherheiten, beispielsweise:

Selbstreflektion

Die folgenden Fragen spiegeln die gedanklichen Suchvorgänge bei der Neuorientierung eines Vorarbeiters wider, der von seinen Vorgesetzten zum Betriebsleiter befördert wurde. (ICH-Form)

Kommentar

Alle Beispiele der oben aufgeführten Fragestellungen von neuen Führungskräften hängen damit zusammen, wie sie versuchen, ihre eigene Persönlichkeit in der Führungsfunktion zu erkennen oder zu empfinden. (Frage: „… wie sehe ich mich selbst in meiner Führungsfunktion und wie möchte ich von anderen in dieser Funktion gesehen werden?) Führungskräfte müssen immer dokumentieren, für was sie einstehen. (Das unterscheidet sie gelegentlich von Politikern, die nur dokumentieren müssen, wofür sie zurzeit einstehen - um wieder gewählt zu werden). Dieses „Einstehen für etwas“ hängt übrigens auch von der grundsätzlichen Aufgabenstellung einer Organisation ab und sollte im Idealfall transparent, widerstandsfähig und ehrlich sein. Insbesondere die Offenheit in der Führung ist dabei sehr wichtig, denn introvertierte Führungskräfte oder Führungskräfte, die im Wesentlichen davon ausgehen, dass sie allein die Verantwortung für die Belange einer Organisation tragen, werden es immer schwer haben oder im Extremfall sogar scheitern.


© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.



Früher Kollege ...

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