Leitbildentwicklung in Schulen


Was ist ein Leitbild?

Das Leitbild einer Organisation, in diesem Fall einer Schulorganisation stellt das pädagogische, aber auch das organisationsorientierte Grundverständnis einer Schule dar. Die Formulierungen sollen kurz und knapp gehalten werden und dazu geeignet sein, die Umsetzung in Schulprogramm und sonstigen Handlungsvorgaben zu ermöglichen. Ein Leitbild ohne Konsequenzen bei der nachgeschalteten Umsetzungsphase hat keine Bedeutung und ist nur frustrierend für alle Beteiligten. Andererseits hat auch ein Schulprogramm ohne ein vorgeschaltetes Leitbild in den meisten Fällen Umsetzungsprobleme. Das Leitbild soll also für alle Personen im Schulbetrieb als Richtschnur dienen, das eigene Verhalten und die eigene Arbeitsorganisation danach auszurichten. Daher ist es auch notwendig, das schulinterne Leitbild gemeinsam zu erarbeiten und zu formulieren. Eine kleine Auflistung von Checklistenfragen kann dabei in der Vorbereitung eines Workshops durch die Schulleitung helfen.

Beispielsweise kann gefragt werden: „Wie kann die Identität unserer Schule beschrieben werden?" oder „Wie würde ein Fremder nach einem Tag bei uns unsere Schule beschreiben?"

Ein gutes Leitbild hat eine Lebensdauer von etlichen Jahren, bis es wieder nach dem bekannten PDCA-Zyklus evaluiert und unter Umständen nach neuen Erkenntnissen und Zielen angepasst wird. Die Prozedur ist immer die gleiche.


Wie entsteht ein Leitbild?

Bevor ein Leitbild gearbeitet werden kann, ist noch einmal die Nomenklatur eindeutig abzustimmen. Die Beratung schlägt vor, die Festlegungen der Wortbedeutungen in einem Glossar festzulegen und zu verabschieden. In vielen Literaturquellen werden sowohl Leitbild, als auch Schulprogramm oder Schulportfolio für dieselbe Sache benutzt, was logischerweise zu Irritationen und kontroversen Diskussionen führt.
Folgende Phasen zur Erarbeitung eines schulspezifischen Leitbildes sind zu beachten. (Auch in diesem Zusammenhang sollen an den mittlerweile bekannten PDCA-Zyklus erinnert werden).

Phase 1.) Entwicklung einer Vorstellung (Vision) durch den obersten Leitungskreis der Schule (Schulleitung). Begründung: die Schulleitung wird nicht in der Lage sein zielgerichtet zu moderieren, wenn sie selbst nicht weiß, in welche Richtung sie das Kollegium ansprechen soll. Eine "Startfrage" ist zu stellen und ebenfalls - auch wenn es im kleinen Kreis ist - durch Tafel, Flipchart oder ähnliches zu diskutieren. Als Beispiel für eine solche Startfrage kann gelten: „Welche Befürchtungen und welche Hoffnungen haben wir, wenn wir ein Leitbild entwickeln, was als für unser zukünftiges Schulprogrammen tragfähig sein soll?" Auch die Methode der Kraftfeldanalyse mit der Fragestellung: "was fördert die Erarbeitung eines Leitbildes, was behindert die Erarbeitung eines Leitbildes" ließe sich an dieser Stelle einsetzen. Mit diesen ersten Erfahrungen kann die Schulleitung dann auch in die Moderationen mit dem Kollegium eintreten.


1.1) Alternative: es bietet sich aber auch die Alternative an, zunächst eine kritische Betrachtung der Ist-Situation vorzunehmen, sie zu bewerten und darauf aufbauend eine Zielvorstellung (Leitbild) zu entwickeln. Der Vorteil besteht darin, dass in dieser Stufe über etwas Bekanntes gesprochen wird und noch nicht über das, was in der Zukunft liegen wird. Andererseits besteht der Nachteil darin, dass lediglich die in der Gegenwart und in der Vergangenheit aufgetretenen Defizite besprochen werden. Das Vorgehen ist er dabei induktiv, und geht vom Detail in übergeordnete Vorstellungen. In vielen Fällen wird in diesem Prozess der Erarbeitung viel Zeit darauf verwendet, zu argumentieren und zu begründen, warum die Randbedingungen der jetzigen (zu kritisierenden) Situation nicht zu verändern sind. Dies hat teilweise personenbezogene und motivationsorientierte Gründe.
Als Methode für diese Alternative bietet sich eine "Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken "-Analyse (SWOT) an.

Als Startempfehlung kann der Spruch gelten: „First we free our minds, - zunächst befreien wir uns von allen anderen Gedanken."

Ein Leitbild sollte folgende Kriterien erfüllen:


Ein Leitbild muss realistisch sein hinsichtlich der Umsetzung in ein Schulprogramm.
Ein Leitbild muss Formulierungen haben, die wahr sind und nicht nur "Werbecharakter" haben.
Ein Leitbild enthält Formulierungen, die für alle bindend gelten sollen.
Ein Leitbild hat eine Lebensdauer von mindestens drei Jahren.
Ein Leitbild enthält keine widersprüchlichen oder unabhängigen Formulierungen, die nicht im Kontext mit anderen Formulierungen des Leitbildes stehen.
Ein Leitbild ist ein „Gesamtkunstwerk", das heißt, alles passt zusammen und ergänzt sich.
Ein Leitbild hat Formulierungen, die jeder versteht.




Phase 2.)
Einladung des Kollegiums und nach freiem Ermessen auch Teilnahme eines Vertreters der Elternschaft zu einem Workshop mit dem Ziel, die Zukunftsausrichtung der Schule in sechs bis acht Kernsätzen zu beschreiben. (Dieser Workshop sollte mit den herkömmlichen Methoden der Moderation, also mit Pinnwänden, Flipchart und Kärtchen durchgeführt werden. Eine Diskussion mit herkömmlichem Protokoll ist in diesem Fall als Methode schlecht geeignet). Wenn die Kärtchen-Methode angewendet wird und die durchzuführende Clusterung die Meinungen polarisiert hat, besteht die Hauptaufgabe darin, die Formulierungsarbeit vorzunehmen. Hierzu sollte beachtet werden, dass nicht schon an dieser Stelle die beabsichtigten Punkte, die später in das Schulprogramm gehören, aufgeführt werden. Vielmehr sind es psychologische, philosophische und Sinn gebende Formulierungen, die ein Leitbild ausmachen.

Phase 3.) Sollten die erarbeiteten Kernsätze des Leitbilds durchformuliert sein - was sich durchaus mehrere Wochen hinziehen kann -, sind sie zu kommunizieren und zu veröffentlichen. Hier ist im Gegensatz zu – möglicherweise - Arbeitsweisen früherer Zeiten mehr Aufwand zu treiben. Die Leitsätze sollen als verbindlich gelten und daher bietet sich an, sie in Plakatgröße an denjenigen Stellen in der Schule aufzuhängen oder in Bilderrahmen zu befestigen, wo sie sowohl von Kindern als auch von Lehrerinnen und Lehrern, als auch von in die Schule kommenden Eltern und sonstigen Besuchern gesehen werden können.

Hinweis zur Formulierung dieser Sätze: es ist genau darauf zu achten, ob gegenwartsbezogene oder zukunftsbezogene Formulierungen angewendet werden sollen. Beispielsweise hat eine Formulierung "unsere Schule versteht sich als Lernende Organisation" eine andere Bedeutung als "wir wollen uns als Lernende Organisation verstehen". (Wann dieser Zustand dann bei der letzten Formulierung eintreten wird, ist ungewiss)


Bedeutung für die Schule

Das Leitbild soll einen hohen Identifikationscharakter für alle im Schulbetrieb arbeitenden Personen haben. Das WIR-Gefühl soll unterstrichen werden. Es soll eine Sicherheitscharakter darstellen, dass auf dem Wege der weiteren Verselbstständigung der Schule nicht eine Aneinanderreihung von Projekten und Maßnahmen vorgenommen wird, sondern, dass alle Beteiligten wissen - und dies auch akzeptieren - welcher Kurs eingeschlagen ist und wie sie sich daran beteiligen können, diesen auch erfolgreich zu gestalten.

Keinesfalls dürfen sich die Aussagen eines Leitbildes als unverbindlich und „schön zu lesen" verstehen lassen. Darauf ist im vorstehenden Absatz bereits eingegangen worden. Die Formulierungen des Leitbildes sind nun im Schulprogramm ausführlich zu erläutern, damit daraus Handlungsanweisungen oder einzelner Projekte entstehen können. Es ist dann mehrfach in Klassenpflegschaften, Schulpflegschaften und Schulkonferenzen auf die Existenz dieses Leitbildes hinzuweisen und auf die jeweiligen Reaktionen zu achten. Es muss von allen im Schulbetrieb arbeitenden Personen verstanden bleiben, dass die permanente Erinnerung und Sensibilisierung, was ursprünglich mit dem Leitbild erreicht werden sollte, nur positiv sein kann. Es besteht nämlich das Risiko, bedingt durch die Reizüberflutung der Werbeindustrie, dass nach Wochen und Monaten die wirkliche Idee nicht mehr verstanden wird, sondern dass nur noch die Punkte des Schulprogramms "abgearbeitet werden".

Beispiele für Leitbildformulierungen:
Qualitätskultur.
Qualität verlangt Leidenschaften. Wir haben Respekt vor Qualität, wir haben Spaß an Qualität, wir kämpfen um Qualität.
Lernende Organisation. Unsere Schule versteht sich als „Lernende Organisation"
Wohlbefinden Alle, die an unserer Schule lernen, lehren und anderweitig tätig sind, sollen sich wohlfühlen.
Offenheit und Kritikfähigkeit sind die Basis der Zusammenarbeit. Die Spielregeln und Prozesse sind transparent. Jeder hat direkten Zugang zur Schulleitung. Information ist nicht nur eine Aufgabe der Leitung, sondern eine gegenseitige Hohl -und Bringschuld aller. Im Umgang pflegen wir eine Kultur der Wertschätzung. Konstruktive Kritik ist Teil der Kultur.
Ein Leitbild dient zur Zukunftsorientierung einer Schule.

Lesen Sie weitere Überlegungen zur Thematik "Leitbild, Schulen und Schulprogramm"
-> Vom Leitbild zum Schulprogramm (1)
-> Vom Leitbild zum Schulprogramm (2)



© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern etc. zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.





Wie bewerten Sie diese Seite?

Bitte bewerten Sie diese Seite durch Klick auf die Symbole.




Sie haben auch nachfolgend die Möglichkeit, einen Kommentar zu diesem Artikel zu schreiben. (Oder schreiben Sie ein Mail an deubel@deubel.de)




Kommentar zu "Leitbildentwicklung in Schulen"

0 Kommentare





© Copyright 2006-2011 - UPD Unternehmensberatung Dr. Peter Deubel. Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken