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Identität und Veränderung

Grundsatzfragen
In den unterschiedlichen Lebensphasen werden Menschen mit der Frage konfrontiert: Wer bin ich und was will ich eigentlich? Für was stehe ich eigentlich ein und wie möchte ich von meiner Umwelt wahrgenommen werden? Der Versuch einer Standortbestimmung. In jungen Jahren wird logischerweise die Frage hinsichtlich der Einordnung in ein erstrebenswertes soziales Gefüge - und der Position, die man in diesem Gefüge einnehmen möchte - gestellt. Zu welcher Gesellschaft möchte ich mich später zuordnen? In welcher Gesellschaft würde ich mich nur berufsbedingt wohlfühlen?
Der älter gewordene Mensch tendiert dagegen eher zum Rückblick. Oft spielen in den Erinnerungen Statusfragen eine Rolle. Wann beginnt die Erkenntnis und das Bewusstsein, dass bei einem älter gewordenen Menschen nun das "alt sein" begonnen hat?
Männer neigen dazu, ihre Identität über den Beruf zu definieren. Sie identifizieren sich mit ihrer Arbeit und somit ist ihre Arbeit ein Teil ihrer Identität. Status, Anerkennung, Selbstdarstellung aber natürlich auch Befriedigung und Selbstverwirklichung spielen eine Rolle. Frauen dagegen neigen dazu, sich die Anerkennung durch andere Kontakte zu holen, bei denen sie die erwartete und erwünschte Wertschätzung bekommen.

Direkt oder indirekt gehören diese Situationen in den Bereich der Identitätssuche. "Es strebt der Mensch, solange er lebt".
Wissenschaftler streiten bis heute noch darüber, ob die Identität mit Abschluss der Pubertätsphase abgeschlossen, oder ob die Identitätssuche ein lebenslanger Prozess ist. Es muss wohl ein immerwährender Prozess sein, denn die Umwelt und die Erfahrungen des Menschen beeinflussen sein "Selbst". Die Suche nach Anerkennung und Zugehörigkeit sind dabei die motivierenden Elemente.

Definition
Was aber ist eigentlich "Identität"? Es wird über Begriffe wie Identitätskrise, Identitätsverlust, Identitätsprozess, Identitätsbildung, Identitätspolitik, Identifikation, Identitätsideen und betriebswirtschaftlich auch über "Corporate identity" gesprochen. Nicht immer aber treffen sie den wirklichen Sinngehalt, weil sie zu oberflächlich gebraucht werden. Identität kann sowohl aus psychologischer, aus philosophischer, psychoanalytischer oder sozialer Sicht beschrieben und erörtert werden. (Der mathematische Ansatz wird nicht berücksichtigt.) Da Identität also nicht eindeutig zuzuordnen ist, wird wohl weiterhin ein Mix von Ansichten und Definitionsversuchen bestehen.

Es gibt leider keine eindeutige Definition, was mit diesem Wort genau gemeint ist. Wenn man es einfach definieren will, könnte man sagen: "Identität ist das, was einen Menschen ausmacht“. Das Wort Identität leitet sich vom lateinischen "idem“, derselbe, ab.
Wenn der ursprüngliche Sinn des Wortes sinngemäß als „Gleichheit“, „Einmaligkeit“ oder als "nicht zu verwechseln" verstanden werden soll, dann beziehen sich die Worte alle auf eine Vergleichsmöglichkeit. Der Vergleich zielt auf die Unterscheidung des "wahren Kerns eines Individuums" zu seinem Verhalten, zu seiner Sprache, zu seinen Überzeugungen etc. ab. Der Mensch sollte eins sein mit sich selbst.
Nach dem Leibniz-Gesetz besteht die Definition der Identität darin, dass zwei Dinge identisch sind, wenn sie in allen ihren Eigenschaften ununterscheidbar sind. Für den Menschen bedeutet dies eben: einig mit sich selbst zu sein.

Reflektionen:
Identität bezieht sich auf die Fragestellung: Ist man:
Der Mensch, für den man sich selbst hält?
Der Mensch, der man gern wäre?
Der Mensch, der man zukünftig zu werden glaubt?
Der Mensch, der man zurzeit wirklich real ist?
Der Mensch, der sich mit anderen Menschen identifiziert?
Der Mensch, für den einen andere halten?
Der Mensch, wie andere Menschen einen haben möchten?
Der Mensch, der man als Frau, als Mann, als Manager, als Lehrer, etc. ist?
Der Mensch, der man von Natur aus ist?
Der Mensch, der man nach seinem natürlichen und wahren Wesen werden könnte?
(Quelle: Hermann Meyer - Die eigene Identität)

Im Alltagssprachgebrauch umschreibt der Begriff Identität die Kombination von persönlichen und einmaligen Eigenschaften eines Individuums - eines Menschen - die ihn von anderen Menschen unterscheiden. Jeder Mensch versucht durch entsprechendes Verhalten von seinen Mitmenschen oder seiner Umgebung als "einmalig" eingestuft zu werden. Diese Einmaligkeit drückt sich im Selbstwertgefühl, nämlich durch die Überzeugung: Ich bin ICH - aus. Die Wertigkeit, die Silbe „Wert“ im Begriff "Selbstwertgefühl" kann allerdings nicht selbstreflektorisch, sondern vom Umfeld des Menschen bestätigt werden. Andernfalls sprechen wir im Extrem von einem Realitätsverlust. Werden das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl durch die Umgebung des Menschen gestört oder verletzt, ergibt sich bei ihm meist eine Konfliktsituation, die mit den emotionalen Reaktionen und / oder mit dem Verhalten von von "Flucht" oder "Kampf" beantwortet werden. Selbstsichere Menschen verhalten sich in diesen Situationen deutlich anders als unsicher gewordene Menschen.
Die innere Stabilität - die Selbstsicherheit - minimiert die Anfälligkeit gegenüber der Instabilität der Randbedingungen des Lebens. Wenn ein Mensch kein gutes Gefühl für die eigene Identität, für seine Wertigkeit und für seine Kompetenz hat, ist er in unsicheren Zeiten gefährdet, sich selbst und seine Orientierung zu verlieren.
Selbstsicherheit ist ein Ergebnis von Erfolgen, die im Verlaufe eines Lebens erreicht wurden. Es entsteht nur die Frage, ob sie auch bewusst akzeptiert wurden. Erfolge können faktisch erreicht worden sein, aber wenn sie nicht zum selbstdefinierten Eigenbild passen, werden sie nicht empfunden, also auch nicht zur Verbesserung des Selbstsicherheit beitragen können.

Die verbale und nonverbale Kommunikation spielt bei der Beurteilung der Identität eines Menschen durch einen anderen Menschen eine große Rolle. Es wäre nämlich nicht notwendig, sich über die eigene Identität Gedanken zu machen, wenn der Mensch allein auf einer Insel leben würde. In einem sozialen Gefüge allerdings ist es wichtig, für andere Menschen erkennbar zu sein, weil sich allein dadurch eine Gemeinschaft oder Partnerschaft entwickeln kann. Es können Aspekte der Wertschätzung, des Respektes, des Vertrauens, der Verläßlichkeit und andere Beziehungsbereiche aufgebaut und weiter entwickelt werden.
Das Erkennen der Identität eines anderen Menschen verläuft in der Regel über einen kommunikativen Interaktionsprozess. So, wie der andere Mensch erscheint, ergeben sich auch Erwartungshaltungen hinsichtlich der Bestätigung der nach außen wirkenden Identität.

Identität und Authentizität.
Die beiden Begriffe werden oft verwechselt oder gleichgesetzt. Das wäre aber falsch. Authentische Menschen sind sich ihrer eigenen Persönlichkeit bewusst und können unabhängig vom Status oder Kompetenz zu sich selbst Stellung beziehen. Authentische Menschen haben eigene - selbstentwickelte - Wertmaßstäbe.

Identität und die Rolle der Medien
Unsere Umwelt hat sich in den letzten Jahren zu einer Mediengesellschaft gewandelt. Internet und Fernsehen sowie die Möglichkeiten der Nutzung von Handys machen die Welt zu einem Dorf. Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander, die Anonymität von Menschen – insbersondere jüngeren - wird teilweise durch Machtkämpfe und Aggression kompensiert.
Die Identitätssuche bei jüngeren Menschen erfolgt über die Medien. In vielen Fällen gibt die Familie nicht mehr den Halt, wie in den vergangenen Generationen.
Die Identitätsideen, die jüngeren Menschen bei der Identitätssuche angeboten werden, sind meist auf ihrer Wirkung nach außen orientiert. Brustoperationen bei zwölfjährigen Mädchen, die ausschließlich der Schönheit dienen sollen, sind nichts Außergewöhnliches mehr. Die Außenwirkung von Menschen, die im Rampenlicht stehen und erfolgreich zu sein scheinen, führt zu einem "Kopierverhalten". Leider in den meisten Fällen unreflektiert, weil der Sinn nicht in Frage gestellt wird.
Junge Menschen erwerben ihre moralische Identität nicht von heute auf morgen, sondern in vielen kleinen Schritten. Dies bestätigt die Auffassung, dass die Identitätssuche sowohl ein bewusster als auch unbewusster Prozess ist, der ein Leben lang anhält.

Mehr SCHEINEN als SEIN??
Unsere Medien verkünden die Message, immer und überall Größe zu zeigen, Schwächen nicht erkennbar, keine Mißerfolge auftreten zu lassen. Potenz, Macht, Image und Kompetenz anzuzeigen ist "in". Wie es allerdings innerlich in einem Menschen aussieht, geht niemanden was an. Das äußere Erscheinungsbild ist wichtiger als das Innenleben. Dies kann über die diversen Talkshows durch den aufmerksamen Zuhörer gut erkannt werden. Mit den Schönen in dieser Welt, den reichen und berühmten Menschen gleich zu sein, ist ein Lebensziel, welches ein hohes Risiko beinhaltet. Der Mensch verliert sein eigenes ICH, denn jede Identitätsidee, die Ideale präsentiert, ist zugleich auch eine Identitätsvernichtungsidee. Fragen wie: Was muss ich tun, um zu werden wie mein Idol/Vorbild? Was muss ich tun, um diesen Erfolg zu haben? Was muss ich tun, um eine gute Mutter zu sein (so wie es mir im Fernsehen dargestellt wird)? Was muss ich tun, um ein erfolgreicher Manager zu werden?
Höchstvermutlich bleibt bei diesen Fragen - wenn sie nur den Nachahmeffekt berühren - die innere Zufriedenheit, das Bekenntnis zum wirklichen eigenen ICH, auf der Strecke. Nicht bewußt aufgenommen werden die Probleme, die Unaufrichtigkeiten, die kleinen Schummeleien, die wirkliche und / oder scheinbar erfolgreiche Menschen zu ihrem Image gebracht haben.

Fremd gesteuert zu sein, in seinen Auffassungen, in seinen Wertvorstellungen, in seinem Verhaltenskodex, würden nur wenige Menschen bestätigen. Die Realität sieht allerdings anders aus.

Identität: Zusammenhänge aus einem Workshop

Dieses MindMap ist aus den Diskussionen in einer mittelständischen Firma entstanden, die sich mit dem Begriff "Unternehmenskultur" beschäftigen wollte. (Klicken, um zu vergrößern)

Lesen Sie hier weiter, wenn Sie etwas über Identität, Unternehmensentwicklung und Changemanagement wissen wollen.
Weitere Informationen:Identität verändern?


© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.


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Kommentar zu "Die Identität des Menschen"

6 Kommentare

07.07.2009 14:24 Rudolf Ostermann E-Mail
Identität bedeutet Wurzeln und Überzeugungen zu haben. Eng damit zusammen hängen Ziele, da bewusst lebende Menschen nicht ohne leben wollen. Wie ich wahrgenommen werden möchte und meine Wirkung nach außen sind andere Fragen, da gebe ich dem Kommentator recht. Die Identitätssuche mache ich an der Auseinandersetzung mit meiner Umwelt fest, schärfe an deren Reaktionen meine Überzeugungen und diese beurteilt die Authentizität und Eigenständigkeit. Aber gewinne ich nur daraus und nur aus der Kommunikation mit anderen Menschen meine Identität? Glaube, Wissenschaft und Philosophie spielen auch hinein. Bei der Definition der Identität gehe ich mit der psychologischen, philosophischen und sozialen Sicht einig. Die angestrebte Präzisierung verliert sich jedoch bei den ?Reflektionen? in einer gewissen Unschärfe: Begrifflichkeiten wie: ?einig sein mit sich selbst, wer ist man wirklich real, wer ist man von Natur aus? greifen nicht. ?Identitätsideen? kann ich begrifflich nicht gut einordnen; geht es um Vorbilder, Orientierungen, Leitbilder?

05.07.2009 09:27 K. Bouteiller E-Mail
Die Identität hat zwei Seiten: die persönlich innere wahrgenommene und die von aussen wahrgenommene, durch Dritte. Dies trifft sowohl für die persönliche als auch jene von Firmen und Organisationen zu. Auch ist das Maß an möglicher Selbstkritik für die eigene Identität nicht zu unterschätzen und die eigene Sicht der Identität nur mühsam zu objektivieren.

01.07.2009 18:16 Olaf Hahnefeldt E-Mail
Ich kann mir auch vorstellen, dass ich identisch bin, wenn mein Verhalten und mein Denken im Grundsatz im Einklang stehen. Mein Denken ändert sich schließlich mit neuen Aufgaben, Zielsetzungen, Erfahrungen, Fähigkeiten und auch z. B. (Miss-)Erfolgen. Spannend wird es jetzt, wenn ich mein Verhalten dem neuen Denken anpassen möchte. Lassen mein Arbeitgeber, meine Familie oder meine Freunde das zu? Will ich das überhaupt selbst oder habe ich Angst vor dem Unbekannten? Eine eigen- oder fremdveranlasste Identitätskrise ist nicht selten. Gleichermaßen stellt sie jedoch die Chance zur Entwicklung dar!

30.06.2009 20:21 Jens Krause E-Mail
Der Beitrag zur Identität einer Person zeigt mir, dass es manchmal hilfreich ist, sich vom Alltag zurückzuziehen und Dinge wieder übergreifend zu betrachten.

29.06.2009 17:49 Detlev Moritz E-Mail
Sinngemäß hat Seneca einmal festgestellt, daß ... der Ausgangspunkt aller Philosophie das Unbehagen ist.... und gerade in Zeiten der schnellen und zum Teil dramatischen Umbrüche/Veränderungen, wie wir sie jetzt durch die weltweite Wirtschaftskrise erleben, steigt die Unsicherheit und damit das Unbehagen. Positionen und Verhaltensweisen in der Gesellschaft und Unternehmen werden unklar und unterliegen unsicheren Planungen. Wertvorstellungen und Normen, die bis dato der Orientierung dienten, werden überprüft, geändert, abgeschafft. Damit können viele Menschen nicht nur in eine Wirtschaftskrise, sondern auch in eine Identitätskrise kommen. Je mehr sich die Identität auf externe Faktoren (Beruf, berufl.Position, Statussymbole etc.) stützt, um so tiefer wird die Krise. Genauso wie sich unsere Umwelt und unser wirtschaftlich-gesellschaftliches Umfeld ändert, müssen wir uns mit unserer Identität auseinandersetzen - weniger im Sinne des mühseligen Ringens und der nach Außen gewandten Betrachtung, sondern in der Akzeptanz der von Zeit zu Zeit auftretenden Unsicherheit und der Suche nach den Dingen, die uns wichtig sind, dauerhaft Freude bereiten und uns innerlich stark machen.

26.06.2009 18:09 Theo Dittmann E-Mail
Ich unterscheide nach meinem Verständnis in; Außenwirkung: Ich lebe, also bin ich - Identitätspaiere. Innenwirkung: mit sich im Reinen sein. Sich mit etwas zu indentifizieren setzt voraus zu wissen was mann will.Ergo muss man sich zuvor mit sich selbst beschäftigen. Erkenntnis ist der Weg zur Veränderung, sofern man will oder kann. Auch eine Frage der Intelligenz. Meiner Auffassung nach ist die Suche nach Indentität ein lebenslanger Prozess, da sich auch das Umfeld lebenslang verändert. Seine Indentität zu verändern ist in Deinem anderen Artikel gut herausgearbeitet. Selbstsicherheit ist nicht nur und ausschließlich ein Ergebnis von Erfolgen, sondern auch von Misserfolgen. Allerdings setzen Misserfolge die Bereitschaft zur Akzeptanz und objektiven Umgang voraus. Hat ein Mensch lebenslang nur Misserfolge, hilft alles beten nichts - der Karren ist eh verfahren. MEHR SCHEINEN ALS SEIN. Vorbilder gab es schon immer und sind für die Entwicklung und Identitätssuche meines erachtens zwingende Grundlage. Man hat aber verlernt. diese Erfahrungen zu kommunizieren - Erziehung - Schule. Fremdgesteuert sein heißt steuerlos - keine Meinung - keine Wertvorstellung etc. - ok. Fremdgesteuert wird man mehr oder weniger immer. Kommt darauf an wie man es oder ob man es sieht und was man daraus macht. Nicht fremdgesteuerte Menschen sind meiner Meinung nach Egomanen und in der Regel Beratungsresitent. Dann machst Du auch keine Geschäfte.