Müllabfuhr???
Alle biologischen Organismen haben einen Körperbereich, bzw. eine Funktion, sich nach der Aufnahme von Nahrung von Ballaststoffen oder von Verdauungsprodukten zu trennen. Ein absolut natürlicher Vorgang, dem wir normalerweise keine große Bedeutung zumessen. Für einen lebenden Organismus ist diese "Ausscheidung" auch gleichzeitig ein "Entgiftungsvorgang", ohne den er nicht weiter gesund leben kann. Was verbraucht ist und keinen "Nährwert" mehr hat, ist nur Ballast.
Doch der Mensch lebt ja nicht nur durch die Aufnahme von Nahrung, sondern auch für oder durch die sozialen Kontakte, die sich im Lebensverlauf ergeben haben.
Die anfangs angeführte Entgiftung oder Ausscheidung bezieht sich nun aber lediglich auf Nahrung und deren Verarbeitung, nicht dagegen auf unsere Einstellungen und Gefühle und auch nicht auf Beziehungen oder Gegenstände in unserer näheren Umgebung.
Warum eigentlich nicht?
Es ist doch sicherlich nachzuvollziehen, dass wir einige Einstellungen, die wir vor Jahren noch hatten, mittlerweile geändert haben, dass wir unsere Lebensweise an den momentanen Status der Lebensentwicklung angepasst und uns auch beruflich manchmal danach orientiert haben, was den so genannten Erfolg ausmacht, ohne tiefer über die Konsequenzen nachzudenken.
Die nachfolgenden Beschreibungen sollen zum Nachdenken anregen, ob es Analogien im Veränderungsverhalten von Organisationen und Menschen gibt.
Neu entscheiden, neu bewerten ...
Als Autor stelle ich folgende These auf: Du bleibst gesund, wenn du gelernt hast, dich davon zu trennen, was du nicht mehr benötigst, weil du es bereits schon "verdaut" oder "verarbeitet" hast.
Diese These kann auf die Firma, - also auf die Organisation in einem Wirtschaftssystem - bezogen werden, und wurde bereits von Peter Drucker, einem der Management-Päpste und von Fredmund Malik, einem Managementtrainer, bestätigt. Sie ist also nicht unbedingt neu, muss aber immer wieder neu kommuniziert werden und ins Bewusstsein gelangen.
Einfach ausgedrückt müsste es eigentlich heißen: Wenn wir uns auf unsere Kernkompetenz, (d.h. was können wir denn wirklich besser als der Wettbewerber?), ausrichten wollen, dann darf die Organisation nichts mit sich herumschleppen, was diese Ausrichtung behindert oder den Blick dafür vernebelt. Das ist einfach zu teuer. Die so genannten "Tante-Emma-Läden", die alles anbieten können, was die Kunden haben wollen, sind bereits bis auf wenige Ausnahmen ausgestorben. Nicht wichtig ist, was man selbst für gut oder schlecht hält, sondern nur das, was vom Kunden, vom Markt gefordert wird. Die Frage entsteht, welche Kunden denn wirklich wichtig sind. Idealisten mit einem leichten altruistischen (was ist Altruismus?) Gedankenansatz sind in der heutigen Wirtschaft höchstgefährdet, systematisch in die Pleite zu laufen.
Schwierig genug ist schon die Bestimmung oder die Erkenntnis der Kernkompetenz, noch schwieriger ist es abzuschätzen, welches Beiwerk für die Zukunftsorientierung noch notwendig ist oder nicht.
Firmen, die die gedankliche Ausrichtung auf die Kernkompetenz offen und transparent in der innerbetrieblichen Kommunikation zulassen oder sogar fördern, gehören sicherlich nicht zu denjenigen, die heutzutage am Rande des Existenzminimums arbeiten und leise leidend vor sich hin arbeiten.
Worin besteht das Problem?
Eine Kernfrage ist, wie diese Idee des "Abspeckens", die "systematische Müllabfuhr" zu einer Methode umgewandelt werden kann. Denn nur eine Methode hat den Vorteil, dass sie reproduzierbar ist und System hat, geschult werden kann und sowohl auch vergleichbare Ergebnisse hinsichtlich der Ausgangssituation und der neuen Situation entstehen. Ohne methodischen Charakter wird diese Idee zu einem Einmalvorgang, aus dem letztendlich auch nichts gelernt werden kann.
Es sind ausreichend Methoden bekannt, die dazu angewendet werden können, zwischen den wertschöpfenden, den werterhaltenden und den wertverzehrenden Tätigkeiten oder Abläufen in einere Organisation unterscheiden zu können. (Wertanalyse, QFD, etc.)
Im persönlichen Bereich werden in der Regel zwar keine Methoden angewendet, jedoch bringen Selbstreflektionen oft Entscheidungsnöte.
Hinweis: Der Begriff Müllabfuhr hat schon einen negativen Beigeschmack, ist auch etwas krass gewählt, doch was machen wir wirklich? Wir trennen Müll in wiederverwertbare und nicht wieder verwertbare Produkte, bringen Flaschen in den Glascontainer und Papier in die entsprechenden Behältnisse. Nichts anders passiert in unserem Leben, wenn man versucht, diesen Vorgang zu übertragen.
Der erste Teil der möglichen Methode besteht in den immer wieder zu stellenden Fragen, wie:
Fragestellung
- "Ist das, was ich jetzt sehe, für meine weitere zukünftige Entwicklung wichtig und dringlich?
- "Hat das, was ich jetzt sehe, einen Genussfaktor, freue ich mich darüber, wie beim ersten Mal?"
- "Steht das, was ich jetzt sehe, in einem vernünftigen Verhältnis von Aufwand und Nutzen?"
- was bedeuten soll:
- "… wie viel Verwaltungs- oder Pflegeaufwand muss ich treiben, um es zu erhalten?"
Ein zweiter Teil der Methode besteht in der Art und Weise der Ausführung, bzw. der Umsetzung.
Wie eben schon angedeutet, muss die "Müllentsorgung" systematisch erfolgen. Systematisch bedeutet, dass das vorgedachte System ausreichend Sicherheit bieten muss, keine Fehler zu machen, weil entweder zu zögerlich oder auch zu radikal gearbeitet wird.
Es ist manchmal schwierig zu entscheiden, was für die weitere Zukunft notwendig ist, was keine Abfallprodukte sind und was nicht. Man muss ja nicht das Kind mit dem Bad ausschütten, und alles vernichten oder entsorgen, was einmal für gut befunden wurde. Anderseits ist die Trennung von Altem, von Überflüssigem notwenig, um Platz für Neues zu schaffen. Was von Altem besetzt ist, kann für Neues nicht genutzt werden.
Unentschlossenheit, Erinnerung an Vergangenes und Angst vor bevorstehenden Entschlüssen zu Entscheidungen lähmen oder hindern den Prozess der Reinigung. Zweifel an der Richtigkeit von Entscheidungen treten aber nur dann auf, wenn kein persönliches Commitment zu diesem Vorgang vorliegt.
Der Vorgang des Trennens, des Reinigens ist außerdem ein Bewusstseinsbildungsvorgang, weil sich jeder in diesem Prozess damit klar macht, was zukünftig wichtig ist und was nicht. Nicht unerwähnt sollte in diesem Zusammenhang bleiben, dass dieser Bewusstseinsbildungsprozess beinhaltet, dass die Standortbestimmung auch damit verknüpft ist, sich über einen eintretenden Todeszeitpunkts klar zu werden.
Alles hat eben seine Zeit! Was wichtig ist, merkt man oft erst, wenn man es weggeworfen hat. In einer routinierten Denkweise wird Altes gegen Neues ersetzt, ohne über den wirklichen Sinn nachzudenken. (Manchmal allerdings merkt man den „Verlust“ nicht wirklich!)
Die eigene Vergangenheitsbetrachtung ist zwar schön für das rückblickende Träumen, in der Wirklichkeit ist es aber sinnvoller, sich mit „Heute“ und der Zukunft zu beschäftigen.
KAIZEN!?
Im Zusammenhang mit den japanischen Managementprinzipien ist KAIZEN bekannt. Dieses Prinzip orientiert sich an drei wesentlichen Fragestellungen, die sich auf 11 Unterkriterien beziehen:
Grundfragen
- Wo erleben wir, dass wir etwas verschwenden?
- Wo empfinden wir bei den ausgeführten Tätigkeiten eine Überlastung?
- Wo können wir feststellen, dass wir von unserem anvisierten Ziel abweichen?
Diese Fragestellungen haben sich in den vergangen Jahren hinsichtlich der Steigerung der Produktivität in der Produktion bewährt.
Aber ist es durchaus zulässig, sie auch auf die persönlichen Lebensweisen zu übertragen!?
Auch unser Suchtverhalten in den betrieblichen Organisationen und in unserem persönlichen Leben stellt einen Hinderungsgrund für eine wirklich positive Veränderung dar, denn man kann sich eben sehr häufig nicht von einen Menschen immer wieder korrumpierenden Ereignissen trennen.
Die Fragestellung der "Müllabfuhr" im persönlichen Bereich.
Das System der Müllabfuhr kann aber auch weiterhin auf die Verhältnisse in unserem persönlichen Leben übertragen werden, wenn wir daran denken, ob es im Verlauf unseres Lebens nicht doch so ist,
- dass wir Freunde haben, die keine richtigen Freunde mehr sind, sondern nur aus Gewohnheit noch so bezeichnet werden,
- dass wir Hausgegenstände, Kleidung oder sonstige persönliche Sachen haben, die zwar einen Erinnerungswert haben, aber sonst keinen weiteren Nutzen darstellen, und nur aufbewahrt werden, weil sie einmal teuer waren,
- dass wir erlernte, anerzogene oder konditionierte Verhaltensweisen und Denkweisen haben, die, bezogen auf unseren Lebenszyklus nicht mehr zeitgemäß sind, und auch keine wirkliche Befriedigung mehr darstellen,
- dass wir… usw. …die Liste kann noch um ein Vielfaches erweitert werden.
Hinderungsgründe und Alibis.
Welche Hinderungsgründe gibt es für die innerliche Verweigerung, konkret über Entgiftung oder Ausscheidung nachzudenken?
Alle Hinderungsgründe, die nachfolgend aufgezählt werden, ähneln den Killerphrasen, die wir aus dem Bereich der kreativen Lösungssuche kennen.
- Es ist doch bisher immer gut gegangen, warum etwas ändern?
- Warum soll ich etwas ändern, es stört mich doch nicht, ich fühl mich doch wohl… (sagt der Mensch mit 40 kg Übergewicht),
- Ich habe mich so an den Zustand "xxxx" gewöhnt und kann mich davon nicht trennen,
- Das Leben ist so kurz, ich will einfach genießen,
- Ich bin eben so, wie ich bin,
- Warum soll ich jetzt etwas ändern, jung ist man nur einmal,
- Später, später, später… (Aufschieberitis)
Denken Sie einmal über die Wirksamkeit Ihrer persönlichen Müllabfuhr nach.
© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
Müllabfuhr mit System
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