Wer Erfolg haben will, muss sich auch zu seiner Eitelkeit bekennen !?
Die doch etwas provokante Aussage lässt sich leicht erläutern. Eitelkeit bedeutet nach der Definition des Duden "sich selbst zu gefallen" und "sich selbst in den Mittelpunkt stellen". Daran ist wohl nichts Schlechtes, denn wer sich selbst nicht gefällt, schleppt sein inneres Ungleichgewicht permanent mit sich herum. Und ob dies nun eine Voraussetzung ist, im persönlichen Bereich oder im Beruf erfolgreich zu sein, ist doch sehr fraglich.
Es bleibt dem Leser überlassen, wie er die oben stehende Fragestellung für sich beantwortet.
Eines ist dem Autor aber nach empirischen Untersuchungen klar geworden: Diejenigen, die es angeht, werden niemals zugeben, dass sie einen Eitelkeitsfaktor haben. Eitelkeit ist etwas, was Frauen zugeschrieben wird, die ständig vor dem Spiegel stehen, um sich "schöner" zu machen. Das ist aber nicht richtig interpretiert.
Eitelkeit im nachfolgenden Sinne ist ein ganz normales Verhalten eines Individuums, nur die Übertreibung oder die Ausschließlichkeit ist das, was als Begriff Ablehnung und Abwehr erzeugt. Wenn menschliches Verhalten nicht identisch ist mit der Geisteshaltung und der Verlässlichkeit (siehe Identität) muss die aufgekommene Leere überzeichnet werden. Kritik oder freundschaftliche Auseinandersetzung ist dabei unerwünscht, denn es berührt die Grundfesten der entsprechenden Persönlichkeiten.
Eitles Verhalten eines Menschen kompensiert nicht erreichtes oder ein nicht zufriedenstellendes Eigenbild. Ok, wer möchte nicht ein wenig mehr sein, als er wirklich ist?
Im Folgenden wird "Eitelkeit" gleich gesetzt mit "Selbstbezogenheit."
Um für die nachfolgenden Ausführungen nicht mißverstanden zu werden, sind einige Worte aufzuführen, die mit dem Begriff der Eitelkeit in Zusammenhang zu bringen sind. Auch hat sich die Bedeutung, die im Alltag geläufig ist, in den Jahren gewandelt. Der Ursprung liegt im lat. Wort "vanitas", was soviel bedeutet, wie Selbstwertgefühl, aber auch in einer weiteren Bedeutung für "Leere".
Nachfolgend sind Begriffe aufgelistet, die in einem direkten oder indirketem Zusammenhang mit Eitelkeit stehen.
- Selbstüberschätzung
- Selbstgefälligkeit
- Selbstbezug
- Selbsterkenntnis
- Selbstgerecht
- Eigenlob
- Einbildung
- Egoismus
- Selbstsicherheit
- selbstherrlich
- Selbstzufriedenheit
- Gefallsucht
- Eigenliebe
- Selbstdarstellung
- Selbstbeweihräucherung
- Selbstwertgefühl
- Selbstüberzeugung
- Narzissmus
- Angst vor Bedeutungslosigkeit
Wie sieht es aus mit dem Stolz auf uns selbst?

Bild: Spannungsfeld "ICH"
Bin ich gut genug, um als Selbstdarsteller weiter so zu leben? Sicherlich gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich von dieser Ahnung oder auch von dieser eigenen Erkenntnis abzulenken. Je nach Ausmaß dieser Unausgeglichenheit werden Ablenkungsmanöver gefahren oder auch zu Ablenkungsdrogen gegriffen. Damit sind nicht die Drogen im üblichen Sprachgebrauch gemeint, sondern diejenigen Drogen, die ein Nachdenken oder einen Bewusstseinsbildungsprozess verhindern. Aktionismus wird gesucht, in welcher Form auch immer, um nur nicht zur Ruhe zu kommen. Bestätigungen und Belobigungen müssen durch ein selbst darstellendes Verhalten zugekauft werden, weil sie vermeintlich sonst nicht ausgesprochen würden.
Die Konsequenzen sind klar. Drogen haben nun einmal die Eigenschaft, dass sie - einmal konsumiert - eine gewisse Abhängigkeit erzeugen, was zur Folge hat, dass die Dosis ständig erhöht werden muss, um wirken zu können.
Die Selbstdarsteller in unserer heutigen Gesellschaft haben meist keine Möglichkeit, eine Phase der Ruhe zu suchen, um vielleicht den eigenen Standort in der Kurve des Lebenszyklus zu bestimmen, weil das einem Drogenentzug gleich kommen würde. Und der ist, ohne externe Hilfe eben äußerst schwierig zu bewältigen.
Vielleicht will man die Situation des Nachdenkens auch nicht wirklich, weil die Angst vor einer neuen Erkenntnis den Suchvorgang unterbindet.
Eitelkeit wird dann gefährlich, wenn sie in eine Form des Narzissmus übergeht. Nur noch sich selbst zu lieben (zu gefallen) macht einsam, da keine wirkliche menschliche Kommunikation mehr stattfindet. Alles dreht sich nur um die Bestätigung der Außergewöhnlichkeit der eigenen Person. Diejenigen, die das Spiel eines Selbstdarstellers mitspielen, sind meist selbst nur "Ja-Sager", die sich im Licht des Erfolgs eines eitlen Menschen sonnen. Kritische oder misstrauische Menschen sind in der Umgebung eines Selbstdarstellers nicht erwünscht.
Eitelkeit kann sich auf verschiedene Ausprägungen beziehen. Zunächst wird sicherlich an einen Menschen gedacht, der sich gut anzieht, sich mehr der Körperpflege hingibt, und immer gut darauf achtet, auch wirksam im Mittelpunkt zu stehen. Der Selbstbezug bezieht sich auf das äußere Erscheinungsbild.
Der Selbstbezug durch den Nachweis beruflicher oder sportlicher Erfolge liegt anders. Hier wird nicht das äußere Erscheinungsbild in den Mittelpunkt gestellt, sondern die momentanen oder vergangenen außergewöhnlichen Leistungen. Zumindest aus Sicht des jeweiligen Menschen. Ständig wird versucht, den beruflichen Status oder die erbrachte Leistung zu betonen, weil die Sorge besteht, sonst nicht ausreichend anerkannt zu sein. Das natürliche Selbstbewusstsein hat eine offene Wunde oder eine nicht wirklich zuwachsende Narbe. Die Ursache liegt häufig in einer nicht kompensierten Form der persönlichen Unsicherheit.
Eitle Menschen suchen einerseits die Nähe von anderen Menschen, um permanent bestätigt zu werden, anderseits aber auch immer wieder die Distanz, weil sonst ihr Status nicht ausreichend zu Geltung kommt.
Wenn zu Beginn dieses Artikels über Erfolg und Eitelkeit gesprochen wurde, ist nun die Frage zu stellen, was diese Anmerkungen mit der Überlebensfähigkeit von Organisationen zu tun haben. Eines ist aber in jedem Fall klar: Mit Führung und Führungsfähigkeit haben diese Anmerkungen eine Menge zu tun.
Lesen Sie den zweiten Teil.
© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel, Rev.: 23.08.2010
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
Ist Eitelkeit positiv oder negativ?
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