Im ersten Teil zu dieser Thematik habe ich die These aufgestellt, dass Erfolg nur mit einem gewissen Maß an Eitelkeit zu erreichen ist. Dies wurde mir inzwischen mehrfach sehr unterschiedlich bestätigt. Es gab bei den Lesern dieses Artikels positiv-interessierte und natürlich auch abwertende Resonanz. Interessant war, wer welche Meinung vertrat.
Diejenigen, die ich selbst für etwas eitel halte (wer ist das eigentlich nicht?) versuchten zu argumentieren, dass dieser gedankliche Ansatz doch völlig überflüssig und viel zu theoretisch sei; diejenigen, die sich ganz normal im Leben verhalten, nahmen die Aussage des Artikels als eine gedankliche Anregung ohne weitere Bedeutung zur Kenntnis. Mit der Wirtschaft hätte dies nun einmal wirklich nichts zu tun, sagte ein Manager, der sich in einem Konzern jeden Tag wieder neu behaupten muss und ständig erwähnt, wie viel Hunderttausende von EURO er jeden Tag zu verantworten hat.
Selbsterkennung oder Selbsterkenntnis
Selbsterkennung / Selbsterkenntnis kann befriedigen oder Angst erzeugen. Warum ist es sinnvoll, sich mit den Fragen zur eigenen Einschätzung zu beschäftigen, wie viel Lob und Anerkennung, d.h. Bestätigung wir eigentlich benötigen, um innerlich gesund zu bleiben? Sie dürfen sich selbst fragen, was das für Sie bedeuten kann. Es ist aber auch die Frage zu stellen, welche Bedeutung diese Fragestellung für das Verhalten von Führungskräften in unserer Wirtschaft hat. Denn in einer Organisation Orientierung zu vermitteln, zu motivieren, zielorientiert zu führen, gelingt besser, wenn nicht immer daran gedacht wird, den eigenen Status permanent zu dokumentieren.
Randbedingung. Wir leben in einer Zeit, in der sich die Gesellschaft in etlichen Lebensbereichen gegenseitig übertreffen will, Kunstwelten zu erschaffen.
Deutschland sucht den Superstar, der wie die Gladiatoren im damaligen Römischen Reich gekürt und bei nächster Gelegenheit wieder vernichtet wird. Der Container "BIG BROTHER" verleitet uns zum Voyeurismus, und da alles nur nach Einschaltquoten geht, wird solange gesendet, bis die Quote nicht mehr stimmt. Ethik und Moral sind an dieser Stelle nicht gewünscht. Auch die zurzeit so beliebten Quizshows gehören in diese Kategorie. Alles, was zählt, ist das Auffallen, und das, was Aufmerksamkeit erzeugt. Inhalte werden immer unwichtiger. Politikern und alle Medien geht es nicht um die Sache, sondern nur um die (profitable) Form des Verkaufens. Diskussionen werden als Selbstzweck geführt, ohne wirkliche Absichten der Klärung zu haben. Talkshows vermitteln die Illusion wirklicher Auseinandersetzung und zielgerichteter Aktivität. Und wir alle machen mit. Die durch die Medien geschaffenen Kunstfiguren (Küblböck und Sonstige?) bleiben trotzdem für viele jüngere Menschen ein anzustrebendes oder nachahmenswertes Ziel in ihrer Lebensphase.
Der Applaus, der diese "Gladiatoren" für die kurze Zeit der Euphorie über einen Scheinerfolg einhüllt, hinterlässt Wunden und Narben. Narben. Narben, die nicht selten niemals wirklich heilen. In jüngeren Jahren Karriere zu machen, im Rampenlicht zu stehen, eine Bedeutung zu haben und sie auch zu spüren, sind sicherlich normale Bestrebungen eines jeden zukunftsorientierten Menschen. Bestätigung von außen und Anerkennung sind in diesem Zusammenhang die Energielieferanten, für diesen Moment zu leben. Na und? Verwerfliches ist nichts daran. Das Problem ist nur, dass passieren kann, sich bei dieser persönlichen Erfolgsorientierung zu verzetteln. Nämlich nicht zu begreifen, dass beispielsweise der Applaus und die Bestätigung nur für die äußere Hülle, für unser Erscheinungsbild, selten aber für den Menschen an sich gelten. Das führt, wie bei der Drogensucht oder sonstigen Sucht zu einem "Abfordern" und "Einkaufen" und anschließendem Konsumieren der Bestätigungen.
Der Suchtabhängige kommuniziert mit seiner Umwelt nur noch einseitig. Er hört auch Beifall, wo keiner ist, er sucht trotzig die äußere Hülle so zu erhalten, wie sie einmal in der Glanzzeit war, und verleugnet dabei seine innere Verzweiflung oder seine aufkommende Resignation. Dies kann im Extremfall bis zur absoluten Selbstaufgabe und damit bis zu seiner Selbstvernichtung führen. Ist es in diesem Zusammenhang erstaunlich, dass die Anzahl der Depressionsbehandlungen in der gleichen Weise angestiegen ist, wie die Anzahl der Schönheitsoperationen? Natürlich sind diese Beschreibungen sehr krass dargestellt, treffen im Kern der Sache doch immer wieder in unterschiedlichen Abstufungen die Realität.
Nachfolgend werden einige Kriterien zur Beurteilung aufgeführt, ob jemand nur ganz natürlich stolz auf seine vergangenen oder momentanen Erfolge ist, oder ob man doch eher von einem Ungleichgewicht in der Persönlichkeit sprechen sollte. Wie ist jemand zu charakterisieren, der übersteigert, d.h. tendenziell narzisstisch, auf die Bewertung seiner Person durch andere Menschen ausgerichtet ist.
* Er hat ein nicht der Realität entsprechendes Gefühl der eigenen Wichtigkeit.
* Er besitzt die Vorstellung, besonders behandelt werden zu müssen.
* Eine unterentwickelte Empathiefähigkeit ist erkennbar.
* Das Negieren der Erfolge oder besonderer Fähigkeiten anderer Menschen fällt auf.
* Es besteht eine unterentwickelte Kritikfähigkeit.
* Man lebt mit der Überzeugung etwas Besonderes zu sein, und kommuniziert daher auch nur mit Menschen des gleichen "Niveaus".
Man beschäftigt sich überdurchschnittlich oft mit den Fantasien zur eigenen Schönheit, zur eigenen Fähigkeit oder zur eigenen Macht (wirkliche Narzissten haben eine hervorragende Fähigkeit entwickelt, Misserfolge in Erfolge umzudeuten.) Es wird ein nicht wirklich stillbares Verlangen nach Anerkennung und Bewunderung durch andere empfunden. Reaktion: Wie soll man sich verhalten, wenn man einen geltungssüchtigen Chef hat, oder wenn im Bekannten- oder Freundeskreis Verhaltensweisen auftreten, die vorher in der jetzt erkennbaren Klarheit der Selbstüberschätzung nicht festzustellen waren? Versuchen Sie nicht, den Menschen zu korrigieren, ihn auf seine Situation sachlich hinzuweisen. Es wird nicht funktionieren, da kein wesentliches Unrechtsbewusstsein vorhanden ist. Es leiden eher die Menschen in der Umgebung, als diejenigen, auf deren Kosten sich ein narzisstischer Mensch stabilisiert. Kommt es zu einer Krise, ist der "Absturz" gewaltig. Der selbst erzeugte "Leistungs- und Darstellungsdruck" kann nicht mehr aufrechterhalten werden, und eigener Stolz wandelt sich in ein Gefühl von Wertlosigkeit um. In derartigen Situationen ist die Kluft zwischen der eigenen Person und der näheren menschlichen Umgebung am größten. Nicht selten kommt es zu Kurzschlusshandlungen, die irreparabel sind. Im privaten Bereich mag dies ja noch tolerierbar sein, im wirtschaftlichen Bereich, d.h., in Firmen kann dies das Ende einer Firma bedeuten.
Stolze und selbstgefällige Menschen, die in Organisationen eine bestimmte Machtposition haben, sind meist umgeben von Ja-Sagern, weil andere Meinungen nicht gefragt oder gewünscht sind. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich, und was das bedeutet kann, ist für die Umgebung manchmal schmerzhaft festzustellen. Schlussfolgerung: Was ist bloß so schwierig daran, seine eigene Persönlichkeit, die wie bei jedem Menschen auch mit Schwächen, mit gewissen Durchschnittlichkeiten und mit Verletzbarkeiten zu beschreiben ist, anzunehmen? Es kann gut gehen, wenn man sich am Maximum von Möglichkeiten oder Herausforderungen orientiert, es kann aber auch sein, dass man sich darin verliert.
Lesen Sie auch den ersten Teil.
© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
Ist Eitelkeit positiv oder negativ? (2)
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