Welche Bedeutung haben Ereignisse der Vergangenheit hinsichtlich der Überlegungen für die Zukunft?
"Es wäre doch so schön", sagen diejenigen, die sich noch gut an ihre Erfolge vergangener Zeiten erinnern, " wenn alles so bleiben könnte, wie früher". Menschlich nachvollziehbar ist diese Denkweise natürlich, wenn wir nur den persönlichen und menschlichen Aspekt betrachten.
Sie ist jedoch nicht unbedingt richtig, wenn wir die wirtschaftlichen Verhältnisse in unserem Lebensumfeld betrachten. In unserer kapitalistisch ausgerichteten Gesellschaft ist sie als Denkweise für die Ausrichtung und Entwicklung eines Unternehmens manchmal sogar tödlich.
Persönliche Veränderungen?
Nicht nur der wirtschaftliche Aspekt bei Betrachtung der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem oben aufgeführten Zitat, sondern auch der private und persönliche Aspekt muss beachtet werden.
Sichtweisen verändern sich
In jungen Jahren besteht eigentlich keine wirkliche Möglichkeit, auf (Lebens)-Erfahrungen und natürlich auch auf Erfolge zurückzublicken, weil einfach noch nicht ausreichend Zeiteinheiten verstrichen sind. Die Erfolge, die wir empfunden haben in den Jahren der Pubertät, in den Jahren des Heranwachsens sind anders zu werten, als die Erfolge, die wir im Erwachsenenalter und im fortgeschrittenen Erwachsenalter erreicht haben und dementsprechend bewerten.
Sicherlich sind wir stolz darauf, einen Beruf ergriffen zu haben, beschäftigt zu sein, eine Familie gegründet zu haben, in der selbst gewählten Gesellschaft akzeptiert zu sein und eine soziale Rolle zu spielen.
Mit jedem Jahr des Alterns werden sich aber – je nach dem, wie sich die Umstände entwickeln - die Bewertungsmaßstäbe ändern. Was früher eben noch erstrebenswert und wichtig war, wird 10 Jahre später anders eingestuft. Irgendwann spielt es keine sehr große Rolle mehr, welche Automarke gefahren wird, wer im Freundeskreis wie viel verdient oder ob man die letzte Mode aus Paris trägt.
Außergewöhnliche Bewertungen
Diese Änderung der Bewertung von Zuständen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft tritt unabhängig vom Lebensalter natürlich auch dann ein, wenn man von einer lebensbedrohlichen Krankheit erfahren muss, wenn ein geliebter Mensch stirbt, oder man vom bisherigen Partner verlassen wird oder, wenn der eigene Arbeitsplatz stark gefährdet ist oder sogar verloren geht.
Alles, was in irgendeiner Form emotional weh tut, das bisherige Lebensgefühl und die Selbstsicherheit negativ beeinflusst, wird in der ersten Reaktion leider häufig nicht ernst genommen – bis es manchmal zu spät für Korrekturen ist.
Im Lebenszyklus eines Menschen und auch im Lebenszyklus einer Organisation - inklusive aller laufenden Anpassungen - gibt es einen schleichenden Prozess von Veränderungen, der aber letztendlich zu einer Entscheidung oder Weichenstellung für die weiteren Wege führt. Diese Weichen führen beim Menschen entweder auf ICH-bezogene Schienen oder auf Schienen, die in die Gemeinsamkeit mit einem anderen Menschen oder einer Gruppe von Menschen (Freunden?) führt.
Menschen, die ihre Selbstbestätigung im Laufe ihres Lebens durch ihren beruflichen Erfolg erreichen konnten, müssen sich nach der aktiven beruflichen Tätigkeit Ersatzfelder suchen, um auch weiterhin das Gefühl zu haben "gebraucht" oder "geachtet" zu werden. Manchmal tritt auch der Zustand ein, dass ein "Herbeizwingen" der vergangenen Zeiten und das Festhalten an Verhaltensweisen und Einstellungen der einzige Lebensinhalt wird, obwohl erkannt ist, dass die Leistungsfähigkeit nicht mehr den eigenen Ansprüchen genügt. Stattdessen wird die Verleugnungsfähigkeit dieser Situation perfektioniert. Der anzugreifende und zu vernichtende Feind ist aber im Menschen selbst!
In der "Outplacement-Beratung" wird oft aufgedeckt, welche Substanz an Fähigkeiten wirklich vorhanden ist. Die steht gelegentlich im Gegensatz zur Überzeugung des Menschen, der neue Arbeit sucht.
Menschen dagegen, die immer schon soziale Kontakte gesucht haben, und damit eine offene Kommunikation pflegen, werden sich auch bei zunehmender Alterung unabhängig vom Status mit anderen Menschen treffen und auseinander setzen. Das Lebensgefühl ist durch die Eingliederung in eine Gemeinschaft geprägt.
Nachfolgend eine Aufzählung von Aussagen zum Konflikt, sich hinsichtlich der Verhaltensweisen und der Einstellungen bewegen / anpassen zu müssen, obwohl man eigentlich nicht will. Bitte schmunzeln Sie nicht darüber, Sie sind ebenfalls gemeint!!
Es wäre doch so schön, wenn alles so bleiben würde wie früher!
…sagte die Großmutter, die stolz davon erzählte, dass das Telefon und Radio erst sehr spät Einzug in das Familienleben gehalten hat. "So moderne elektrische Gerätschaften haben doch nur Schattenseiten. Und überhaupt: wo sollen diese elektrische Wellen denn herkommen, ich sehe keine! Was ich nicht sehe, ist mir immer etwas suspekt und unheimlich! Wer weiß, ob das alles gesund ist"
Es wäre doch so schön, wenn alles so bleiben würde wie früher!
… sagte mir nachdenklich ein Manager einer mittelständischen Firma, als ein neues EDV-Programm zur Unternehmenssteuerung konzipiert und gekauft werden sollte. "Wer weiß denn, ob das Neue wirklich auch besser ist ", versuchte er zu argumentieren, obwohl er damit nur kaschieren wollte, dass er keine Vorstellung für eine Verbesserung der Firmenstruktur und der Informationswege hatte. "Wir haben früher doch auch nicht schlecht gearbeitet, warum können wir nicht bei dem bleiben, was bisher funktioniert hat? ICH komme mit meinen handgeschriebenen Auswertungen doch gut zurecht! Das dauert doch Jahre, bis sich das alles eingespielt hat, und dann bin ich doch auch schon in Rente."
Es wäre doch so schön, wenn alles so bleiben würde wie früher!
…sagte ein Schichtleiter einer Produktionsfirma, der in der früheren DDR eine ähnliche Position in seiner damaligen Firma bekleidet hatte. "Wir hatten unseren Kinderhort, wir wussten, was zu tun ist, mussten nicht so viel und vor allen Dingen nicht so schwer verständliche Änderungsansätze verstehen, es lief doch auch. Wir hatten eine viel bessere Gemeinschaft in unserer Brigade, wir haben auch viel mehr zusammen gesprochen. Hier im Westen ist alles so kalt!" (Wobei natürlich vergessen wird, dass mit dieser Einstellung ein ganzer Staat in Konkurs ging).
Es wäre doch so schön, wenn alles so bleiben würde wie früher!
…sagte die Ehefrau zum Ehemann, als er ihr eröffnete, dass er sich in seinem fortgeschrittenen Alter nun den angenehmen Seiten des Lebens widmen möchte, und allein auf Reisen gehen wollte. "Wir haben doch früher so schöne Zeiten zusammen verbracht, bin ich dir denn heute nicht mehr gut genug"? klagte die angesprochene Ehefrau und verstand die Welt nicht mehr.
(Selbstverständlich kann dies auch in umgekehrter Richtung gefragt werden).
Es wäre doch so schön, wenn alles so bleiben würde wie früher!
… sagte der Mitarbeiter einer Firma, als er auf einen Lehrgang geschickt wurde, um zukünftig elektronisch gesteuerte Maschinen zu bedienen. Es ging doch früher auch! Ich bin ja dann nicht mehr der Fachmann, der die Maschine richtig bedienen muss, das erledigt ja nun die Maschine allein, und ich merke, dass meine jahrelange Erfahrung und Praxis nun einfach elektronisch weggewischt wird. Die ganze Ausbildung und Erfahrung – alles nicht mehr wichtig? Fachleute würden doch immer gefragt, meinte er.
Es wäre doch so schön, wenn alles so bleiben würde wie früher!
… sagte der Unternehmer, der leider vergessen hat, dass wir im Zuge der Zeit nicht mehr nur einen lokalen Wettbewerb, nicht mehr nur einen nationalen Wettbewerb, nicht nur mehr einen europäisch orientierten Wettbewerb, sondern einen globalen Wettbewerb haben. "Wie soll ich das denn machen mit den Auslandskontakten? ", sagte der Unternehmer, "ich spreche ja kein Englisch! ". "Und überhaupt: was ich kenne, und was ich ja nun schließlich bisher erfolgreich bewerkstelligt habe, muss ich doch nicht auf den Präsentierteller legen. Die anderen sollten erst mal die Erfolge nachweisen, die ich hatte!" Erst machen wir die Ausländer schlau, und dann werden sie unsere Konkurrenten!
Na ja!
Es wäre doch so schön, wenn alles so bleiben würde wie früher!
… sagte der etwas ältere Herr, der nach einem Arztbesuch damit klarkommen musste, dass auch er sich mit gewissen Männerkrankheiten auseinander setzen musste, und dass eine Operation als notwendig erachtet wurde, die möglicherweise einen erheblichen Einfluss auf seine "Männlichkeit" haben könnte. "Habe ich Krebs?" "Was bleibt mir dann noch vom Leben?" "Wie ernst ist es wirklich?" "Hat der Arzt mir die ganze Wahrheit gesagt?" Fragen, die daran erinnern, dass alles Leben endlich ist.
(Die Tatsache, dass er ein paar Tage vorher fast einen Herzinfarkt vor Aufregung bekommen hätte, als er sah, dass sein geliebter BMW auf einem Parkplatz einen Kratzer bekommen hatte, wurde total vergessen)
Es wäre doch so schön, wenn alles so bleiben würde wie früher????
Fallen Ihnen noch mehr Beispiele ein, bei denen Sie etwas aus der Vergangenheit festhalten würden, obwohl Sie genau wissen, dass dies nicht geht?
Denken Sie einmal über sich nach!
© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
Es wäre doch so schön ...
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