Die Überschrift zu diesem Artikel ist keinesfalls eine Aussage eines Motivations- oder Kommunikations-Gurus, sondern eher die Aussage eines Pragmatikers, der versucht, die erkannten und allgemein anerkannten theoretischen Zusammenhänge bei der Suche nach Erfolg zu beschreiben und auch selbst daraus zu lernen.
Ich möchte mich dabei aber nicht in die Gruppe der Heilsverkünder einreihen, die einfach behaupten, dass Erfolg leicht zu erreichen ist, und dass man ihn nur wollen müsste, etc., sondern vielmehr mit diesem Artikel versuchen, bewusst auf die Zusammenhänge und die dahinterliegenden Prinzipien hinweisen. Sie scheinen, wenn man sie hört oder in diesem Fall liest, einerseits sehr trivial, anderseits aber sehr schwierig bei der jeweils eigenen Umsetzung. Unbedingt neu sind die nachfolgenden Beschreibungen auch nicht, vielleicht nur anders dargestellt, wie so vieles im Leben.
Was ist Erfolg?
Sprichwort: Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht überall nur Nägel!
Damit die Fragestellungen, was Erfolg ist, und wie man ihn erreichen kann, nicht nur in eine philosophisch - psychologische Betrachtung dieses Begriffes ausartet, müssen, wie bei vielen komplexen Themen, wieder einmal Abgrenzungen vorgenommen werden.
Der erste Teil dieses Artikels wird sich mit der Frage auseinandersetzen, was Erfolg denn generell ist, denn ohne die Hinführung auf einen entsprechenden Bewusstseinsbildungsprozess wird möglicherweise das eine oder andere Statement lediglich gelesen oder kopiert, aber nicht kapiert. Zur Erinnerung: Der Erfolg eines Individuums kann auch der Schaden eines andern sein. Erfolg ist also relativ und ohne Moral, denn auch Verbrecher sind in Ihrem Sinne erfolgreich – was wir in den Nachrichten über Terrorismus jeden Tag erleben müssen.
In den weiteren Teilen wird das Lernen im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, wie Erfolg zustande kommt.
Erfolg ist lernbar; die ersten Abgrenzungen:
So einfach, wie es in der Überschrift ablesbar ist, ist die Sache natürlich nicht, denn zwei Aussagen sind kombiniert. Die eine Aussage bezieht sich auf den Erfolg, die andere auf das Lernen. Auf beide Begriffe muss also eingegangen werden. Patentrezepte für jede Art von Organismen (also auch für den Menschen und für Organisationen), erfolgreich zu sein, gibt es leider nicht. Es gibt aber einige Grundsätze, die für die Erfolgsorientierung immer wieder zu bedenken sind. Sie werden in den nachfolgenden Beschreibungen mehr oder weniger ausführlich behandelt.
Da in den Themen meiner Artikelreihe immer wieder versucht wird, die Analogie der menschlich-persönlichen Veränderungsprozesse mit denen zu vergleichen, die auch in wertschöpfenden betrieblichen Organisationen ablaufen, ist eine Übersicht in einer veranschaulichenden Grafik notwendig.
Es ist ferner bei den Überlegungen zu diesem Thema erkennbar, dass es einen Ansatz gibt, der immer über allem stehen wird: Die Natur hat letztendlich immer recht! Die Natur regelt sich selbst, und dieser Selbsterhaltungstrieb steht über allen externen Einflüssen bis hin zur eigenen Vernichtung oder Selbstaufgabe. Egal, wie schlau wir Organisationen gestalten, wie wir mit der Umwelt umgehen, wie wir mit der politischen oder religiösen Ausbreitung von wahr und unwahr, von gläubig und ungläubig umgehen, das Gesamtsystem der Erde regelt ohne Emotionen, was leben darf und was nicht.
Wenn ich jetzt Einsprüche hören würde, dass dies doch so radikal nicht zu sehen ist, dann erinnere ich an die Geschichte der Evolution hinsichtlich der Begründung, warum einige Organismen, die früher existiert haben, heute nicht mehr zu finden sind, und warum es heute Organismen (Mutationen?) gibt, die vor 1 Million Jahren noch nicht existierten. Aber es gibt auch Organismen, die nahezu unverändert über Millionen von Jahren existieren.
Warum ist das so, und was lernen wir daraus für uns selbst und natürlich auch für die Organisationsentwicklung in unseren Firmen?
Der tagtägliche Kampf ums Überleben – und damit erfolgreich zu sein - hängt von eigener Stärke im Vergleich zur Stärke eines anderen Individuums ab. Wie schon angedeutet, Erfolg, zumindest kurzfristigen Erfolg, hat nur der Mächtige (Anpassungs-"Fähige"), was auch immer Macht nun bedeuten soll. Zur Kenntnis der Stärke gehört selbstverständlich auch die Kenntnis der vorhandenen und einsetzbaren Ressourcen. (Mittel, Material, Zeit …)
Damit ist indirekt auch die persönliche Einschätzung von Erfolg und Erfolgsausrichtung angesprochen. Ob das auch von der Umwelt, von der Gemeinschaft, vom Partner, von den Kollegen auch so gesehen wird, ist manchmal fraglich, manchmal bestätigend.
Einige Statements (in der ICH-Form) sollen dies belegen (ohne Priorität in der Reihenfolge):
Ich bin erfolgreich, weil:
- ich die Macht habe, mit meinen Argumenten andere zum Schweigen zu bringen,
- ich meinen Widersacher gemobbt habe, und er verschwindet jetzt endlich aus der Firma,
- ich meinen Ehepartner zu meinem Diener erzogen habe,
- ich mich einem emotionalen Druck entzogen und mein Leben selbst in die Hand genommen habe,
- ich eine eigene Meinung habe,
- ich diesen nichtsnutzigen Theoretiker in die Schranken gewiesen habe,
- ich den besseren Durchblick habe,
- ich die Werte der Vergangenheit nicht aufgegeben habe, denn es kommt alles wieder,
- meine Arroganz und meine Unangreifbarkeit mich auf meinem Wege bisher bestätigt haben,
- ich etwas dazu gelernt habe, ohne mein Gesicht zu verlieren,
- ich innerhalb von 3 Wochen 3 kg abgenommen habe,
- ich eine schwierige Krankheitsphase bewältigt habe,
- ich gelernt habe, ohne Probleme Fehler zuzugeben,
- ich weiß, dass niemand mein Rollenspiel von meiner wirklichen Absicht unterscheiden kann,
- ich mein bester Freund bin,
- etc., etc., etc.
Dieser Auszug einer Auflistung soll lediglich verdeutlichen, dass es eine Unzahl von Beispielen gibt, was als erfolgreich beschrieben werden kann. Sinnvolle Fragestellungen für einen Menschen oder eine Firma können nur erfolgen, wenn das anzustrebende Ziel bekannt ist. In den Firmen nennt man das „Vision“ oder „Strategie“, wobei eine Vision (die noch nicht beschreibbar ist, weil sie viel zu diffus ist) lediglich die Vorstellung ist, wie es weitergehen könnte, die Strategie dagegen bereits beschreibbar ist. Wenn eine Strategie allerdings nicht beschreibbar ist, existiert sie auch nicht. Wenn sie nicht kommunizierbar ist, existiert sie ebenfalls nicht.
Erfolg, was ist das eigentlich?
Eine der ersten Antworten lautet: Erfolg ist das, was erfolgt. Also liegt eine Aktivität vor einem Ergebnis, nämlich vor dem Erfolg. Es ist das Ergebnis einer Aktivität oder eines Prozesses. Oder, wie die Deutsche Bank es formuliert: „…die Summe richtiger Entscheidungen...“ . Das stimmt.
Sowohl der Duden als auch andere Nachschlagewerke geben zu diesem Begriff entsprechende Antworten.
Auch in den etymologischen Ableitungen kann man fündig werden.
Um zu wissen, was Erfolg ist, sollte man auch das Gegenteil kennen. Ist es der Misserfolg? Kann man eigentlich auch "nur ein bisschen" oder anderseits auch "außerordentlich" erfolgreich sein? (Es drängt sich die Analogie zu dem Begriff "tot" auf: Kann man tot oder nur ein bisschen tot sein?)
Wer entscheidet eigentlich über "erfolgreich-sein" (d.h. jemand ist reich an Erfolg)?
Das Gegenteil von erfolgreich ist doch wohl erfolgsarm, und im Extrem erfolglos, oder?
Die Sehnsucht des Menschen, nach außen als erfolgreich zu gelten, ist in den kapitalistischen Ländern mehr ausgeprägt als in den wenigen kommunistischen Ländern, die es noch gibt. Dort, wo Wettbewerb zugelassen und auch notwendig ist, um im System zu überleben, ist das wichtigste Statuskennzeichen "erfolgreich" zu sein. Mit Erfolg kokettiert man (auch wenn es in Wirklichkeit gelogen ist), mit Erfolg kauft man sich Anerkennung, mit Erfolg wird das Selbstwertgefühl gestärkt, mit Erfolgsgefühlen laufen unsere biologischen Prozesse in unserem Körper anders, mit Erfolg hat das Leben einen Sinn.
Die Erfolgsratgeber oder Ratgeber, noch mehr Erfolg zu haben, beziehen sich auf drei Aspekte. Einmal natürlich auf den eigenen Willen und die Disziplin, zum zweiten auf die Methodik des Denkens und des Handels, und drittens auf die Kenntnisse des "Feindes" oder des Gegners, denn wenn ich nicht weiß, woher ein Widerstand kommt, wogegen kann ich dann erfolgreich sein? (Übrigens kann der Widerstand auch der eigene innere Widerstand sein, wenn man beispielsweise bisher geschätzte Werte wie Ehrlichkeit oder Vertrauen nicht mehr so wichtig nimmt, um nur nach außen als erfolgreich zu gelten.)
Wo keine Bedrohung ist, ist die Suche nach Erfolg unwichtig.
Aber wo gibt es diese Situation denn überhaupt?
Voraussetzungen dafür, erfolgreich zu sein.
Wie schon oben angedeutet, möchte ich nicht die sogenannten Königswege, wie man erfolgreich wird, oder sogar noch erfolgreicher wird, aufzählen. Ich halte das für unseriös. Zu viele Randbedingungen spielen hier eine Rolle, und eine Verallgemeinerung würde die Persönlichkeit eines Menschen oder den aktuellen Status einer Firma unberücksichtigt lassen.
Selbstverständlich kann man die Frage aber für einen einzelnen Menschen und auch für eine Firma sehr konkret beantworten.
Ein paar ausgewählte Thesen sollen jedoch zum Nachdenken anregen. (Quellen: Anonymus und eigene Ansichten)
- Wer nicht weiß, wer er ist, wer keine eigene Identität hat, kann nicht erfolgreich sein.
- Die eigene Identität kann nur (positiv) verändert werden, wenn sie bekannt ist.
- Erfolg ist eine Resultierende, die sich durch die Aktivierung der eigenen Ressourcen ergibt.
- Das bisher unerkannte, aber aktivierbare eigene Potenzial ist dem Betroffenen in der Regel nicht erschließbar und muss von außen entdeckt werden. (siehe Johari-Fenster)
- Das Vertrauen in sich selbst und der Hang zum Hasardeur (Glücksspieler) sind sich sehr ähnlich.
- Erfolg ist letztendlich nichts anderes als Glücklichsein mit seinem Dasein.
- Erfolg muss unbedingt die Anerkennung von außen haben. (Gesellschaft, System, Partner, Kunde …).
- Die sich selbst regulierenden Systeme in der Natur und in der globalen Gesellschaft verzeihen keine Fehler und sind unerbittlich.
- Erfolgreich ist nur der Hungrige, der Satte ist nur passiv träge.
- Sprichwort: Die Probleme von morgen können nicht mit den Einsichten von heute oder gestern gelöst werden.
- Wenn der Profit lockt, sind Werte nicht mehr so wichtig.
- Erfolgsstreben muss von innen kommen, sonst gelten Einstellungen wie: "not invented here", oder „… es ist doch nicht von mir …".
- Erfolg hat nur der Tüchtigste, hieß es früher. Erfolg hat nur der Anpassungsfähigste und Lernfähigste, heißt es heute.
- Erfolgreiche Menschen haben gelegentlich verlernt zuzuhören, weil das selbst erschaffene Eigenbild wichtiger ist, als das Bild, was Außenstehende von ihnen haben.
- Starke Persönlichkeiten suchen immer den Widerstand, um erfolgreich zu sein, schwache Persönlichkeiten vermeiden ihn.
- Mein letztes Statement: Menschen mit Führungsaufgaben lernen nicht wirklich von anderen Führungspersönlichkeiten?! Sie werden nur kopiert!
- Etc.
Die Liste von Statements könnte noch länger fortgesetzt werden.
In den nächsten Artikeln über die Frage der Erfolgsorientierung werde ich auf die einzelnen Statements eingehen.
© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
Erfolg ist lernbar?!
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