Manchmal schwer zu verstehen ...
"Bei Misserfolg ist nicht das Fallen das Problem, sondern das Liegen-bleiben,"
mit diesem Zitat eröffnete ich vor einiger Zeit ein Gespräch mit einem Steuerberater in einer Gemeinschaftspraxis im Süden Deutschlands.
Er hatte Probleme damit, seine Vorstellungen über die Abläufe in der Organisation der Praxis mit den andern Praxisbetreibern zu besprechen, um kompromissorientierte Lösungen zu erarbeiten. Die Atmosphäre in den Besprechungen war grundsätzlich davon geprägt, wie jeder der sieben Praxisbetreiber versuchte, seine privaten, beziehungsweise persönlichen Vorstellungen durchzusetzen - auch wenn es gegen die Interessen der anderen sein würde.
In den persönlichen Gesprächen, die sich aufgrund einer Beratungstätigkeit zur Effizienzsteigerung in der Praxis ergeben hatten, wurde der Drang dieses Steuerberaters, eine hierarchische Akzeptanz mit Macht- bzw. Weisungsanspruch herbeizuzwingen, immer deutlicher. (Randbedingung: Im Gesellschaftervertrag sind alle Praxisbetreiber hinsichtlich ihres Stimmrechtes gleich gestellt.) Leicht narzisstische Züge im Verhalten und in der Kommunikation führten allerdings weiterhin genau zu der Situation, die er bekämpfte, nämlich die Ablehnung. Was gesucht wurde, waren natürliche menschliche und fachliche Akzeptanz. Leider wurde dominantes Anspruchsdenken praktiziert, das sich über schwelende Konfliktsituationen bis hin zu offenem Streit entwickelte.
Es war nur eine Frage der Zeit, wann der "Point-of-no-return" eintritt, und die nicht mehr erfüllbaren Erwartungshaltungen, sowohl von den Praxiskollegen als auch von dem zitierten Steuerberater selbst, zu einem Eklat führen mussten. "Was habe ich nicht alles für Euch getan", monologisiert er, "und was ist der Dank?"
Derartige Situationen der Selbsttäuschung, nicht befriedigte Erwartungshaltungen und ein falsches Eigenbild können zu einem Burnout führen – müssen aber nicht.
Burnout - eine Sache des Willens?
Rückblickend auf die Beschreibung des Begriffes "Burnout" soll noch einmal ins Bewusstsein gerufen werden, dass ein Burnout nur dann eintreten kann, wenn vorher ein "Burn" stattgefunden hat, also ein Brennen! Wer aber nahezu ausschließlich mit seinem EIGENEN Brennen beschäftigt ist, fühlt die selbst erzeugte Hitze – um in diesem Bild zu bleiben – ist aber nicht unbedingt in der Lage, ANDERE Hitzequellen zu sehen oder zu registrieren. Es ergibt sich die Frage: Vielleicht gibt es ja auch andere Feuer, die vielleicht nicht so heiß, dafür aber länger brennen??!!
Wie ich bereits im ersten Aufsatz über das Burnout-Syndrom darstellte, hat Burnout unterschiedliche Gesichter. (Siehe erste Darstellung). Das eben geschilderte Beispiel kann eine Ausprägung sein.
Um hier dem Leser einige Aufzählungen anzubieten, bei welchen Symptomen Burnout zumindest als Zustandsbeschreibung in Erwägung gezogen werden sollte, überprüfen Sie Ihre eigene Situation bitte an folgenden Statements:
- Sie sind von der Ansicht überzeugt, auf ihre Umgebung, auf ihre Organisation, auf Ihre Firma wesentlichen Einfluss nehmen zu müssen, weil sonst nichts funktionieren wird.
- Aufgrund ihrer eigenen Ungeduld sind Sie permanent dabei, andere zur Eile anzutreiben oder mit Aufgaben zu betrauen, obwohl Sie die Aufgaben besser lösen könnten.
- Es ärgert Sie, wenn Sie Aufgaben anderen Mitarbeitern oder Kollegen übertragen müssen, die Sie nach ihrer Ansicht wesentlich besser lösen können.
- Sie möchten am liebsten für alles die Verantwortung übernehmen, und die anderen müssen nach ihrer Pfeife tanzen.
- Sie haben sich daran gewöhnt, immer mindestens zwei Sachen auf einmal zu tun.
- Sie fühlen sich angegriffen, wenn Sie bei der Darstellung ihrer Ansichten und Vorstellungen auf Kritik stoßen, und können sachliche Kritik nicht von persönlicher Kritik unterscheiden.
- Sie sind davon überzeugt, leistungsstark und motiviert zu sein (auch wenn Sie sich das jeden Tag neu einreden müssen).
- Teamorientierung und Offenheit gegenüber eigenen Schwächen kommen für Sie nicht infrage.
- Ihre Vorstellung von Führung besteht darin, immer wieder neue Ideen in einer Gemeinschaft einzubringen - auch wenn die noch laufenden Aufgabenstellungen noch nicht abgeschlossen sind.
- Sie tendieren dazu, bewusst und unbewusst immer wieder herauszustellen, dass Sie mit ihren Fähigkeiten doch grundsätzlich über allen andern stehen.
Wenn Sie ein Leser sein sollten, der Ansätze für ein Burnout-Syndrom bei sich selbst spürt, und Sie damit sicherlich das eine oder das andere Statement für sich in Anspruch nehmen, ist das noch kein verbindliches Kennzeichen für einen Burnout. Wenn aber die Mehrzahl der Statements jedoch für Sie zutrifft, ist es ratsam, die nachfolgenden Vorschläge als Hilfestellung zu berücksichtigen, um sich aus diesem Gemütszustand zu befreien.
Überprüfen Sie bitte folgende Hinweise – und zwar ehrlich vor sich selbst!
- Frage: Kann ich anderen Menschen wirklich aktiv zuhören? Oder meine ich: Ich höre zwar, was sie sagen, aber es berührt mich nicht, weil ich doch über Ihnen stehe! Entspricht diese Überzeugung auch der Realität oder nur dem Wunschbild?
- Setzen Sie sich mit dem Begriff "Vertrauen" auseinander, denn Sie haben kein Vertrauen zu anderen Menschen, wenn Sie sich immer angegriffen fühlen.
- Wann haben Sie im Kollegenkreis zusammen mal wieder richtig gelacht?
- Von wem oder für was lassen Sie sich kaufen? Sind Sie vielleicht ein wenig korrupt hinsichtlich der Optimierung und Perfektionierung Ihrer Selbstdarstellung?
- Leben Sie auf Kosten anderer? Ethik ist zwar schön zu diskutieren, aber wie verbindlich ist dieser Begriff wirklich für Sie?
- Wenn Sie sich als "fremdbestimmt" bezeichnen würden, wer ist Ihr wirklicher Feind? Der von außen oder der von innen?
- Wenn die Kerze an zwei Seiten gleichzeitig brennt, Sie alles gleichzeitig regeln möchten, werden Sie persönlich irgendwann der Verlierer sein und Ihre geliebten Partner ebenfalls – vorausgesetzt – Sie haben noch welche.
- Reden (kommunizieren) Sie!! – obwohl dies am schwierigsten erscheint -, denn Sie müssen damit freiwillig Ihren Status aufgeben, wenn Sie gesunden wollen.
- Suchen Sie sich Menschen, die weiter an Ihnen interessiert sind, und öffnen Sie sich. Eine Kritik ist nur im Ohr des Betroffenen verletzlich, meist aber nicht verletzend gemeint.
- Lassen Sie sich auf Kämpfe ein, die Sie gewinnen können, alles andere ist emotionaler Selbstmord!
- Denken Sie an Ihren Körper! Wenn der schlapp macht, ist irgendwann auch der Geist dran!
- Wollen Sie mit Ihrer Arbeitssucht nicht etwas anders kompensieren?
- Sind Sie integrations- oder teamfähig? Wirklich?
Dies kann nur ein kleiner Auszug von Fragen sein, die zu diesem Thema gestellt werden können. Eine ausführliche Beratung zur Kompensation von Burnout - Empfindungen hilft.
Die Thematik wird noch weiter beschrieben. Es wird ein Beispiel der Beratung eines Managers dokumentiert, der viel für eine Firma im Ausland gearbeitet hatte und sich nicht mehr in der Lage sah, aufgrund seiner Überlastung seinen Arbeitsalltag richtig zu gestalten. Ein Outplacement stand bevor.
© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
Burnout tut weh (2)
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