Um was geht es?
In einer Gesellschaft, in der die sozialen Bindungen immer oberflächlicher werden und das Wertesystem früherer Zeiten dahinbröckelt, werden die daraus entstehenden Spannungszustände innerhalb der unterschiedlichen sozialen Schichten und in den unterschiedlichen Hierarchiebereichen immer deutlicher. Gewalt und Machtdemonstrationen treten an die Stelle von Kommunikation und Konfliktverhalten. Der Sinn und Zweck von Organisationen, die Leitsätze und langfristigen Zielsetzungen, zugrunde gelegte Werte und sonstige Aspekte eines Wertesystem in einer Gesellschaft, werden negiert und durch Denkweisen und Verhaltensweisen ersetzt, die durch Selbstüberschätzung und Kampfbereitschaft gekennzeichnet sind.
Dies zeigt sich gut in Schulen, beziehungsweise schulischen Einzugsbereichen, wo Arbeitslosigkeit und "Null-Bock" - Einstellungen vorherrschen.
Jeder Mensch möchte sich möglichst aus einer Lage der Anonymität herausheben und etwas Besonderes sein, akzeptiert werden und nicht als „No-Name" gelten. In der Wirtschaft sind in der Regel Fähigkeit und Kompetenz (gelegentlich auch Machtstreben und politische Verbindungen) ausschlaggebend dafür zu welcher sozialen Schicht man gehört. Unverschuldete Arbeitslosigkeit und mangelnde Ausbildung sind dabei nicht in einem Atemzug zu nennen, doch beides hat etwas mit Eigenverantwortung und Eigeninitiative zu tun.
Gegen den Strom?
Es gibt aber auch etliche Beispiele im alltäglichen Leben, in denen die Anonymität bewusst angestrebt wird und die jeweilige Persönlichkeit zurückgestellt wird; wenn Scham zu überwinden ist, wenn Hemmschwellen abgebaut werden sollen oder wenn bestimmte Unfähigkeiten unentdeckt bleiben sollen. Bei den anonymen Alkoholikern oder sonstigen Selbsthilfegruppen vereint die gleiche Problemlage. In den Fußballstadien wird im Schutz der Menge aufgestaute Aggression abgebaut. Auch in den unterschiedlichen Religionen wird vorzugsweise über „Anhänger", „die Gläubigen" oder „die Gemeinschaft" gesprochen. Der einzelne Mensch soll sich unterordnen.
Eine Gegenbewegung zur Auflösung der Anonymität ist aber auch gut erkennbar. Zumindest in der Wirtschaft. Sie kann schon lange nicht mehr damit leben, dass Menschen nur einfach tun, was ihnen gesagt wird. Sie sollen mitdenken, sie sollen sich selbst einbringen in den Arbeitsprozess und die damit verbundenen Problemsituationen. In vielen Firmen werden daher diverse Aktionen gestartet, um bei den Mitarbeitern und teilweise auch bei den Führungskräften einen höheren Identifikationsgrad mit der Firma zu erreichen. Dies betrifft mehr oder weniger alle Organisationen, die sich in einem Wettbewerb befinden. Warum das Ganze?
Es gibt mehrere Untersuchungen, die belegen, dass ein höherer Identifikationsgrad mit der Aufgabe, der Organisation, mit den Vorgesetzten und Kollegen eine höhere Leistungsbereitschaft und eine höhere Leistungsfähigkeit von Personen ermöglicht. Aber eben nur ermöglicht, nicht schafft! Außerdem ermöglicht der höhere Identifikationsgrad Sicherheit, weil man sich in einem angenehmen Umfeld wohl fühlt. Die Organisation muss daher einen Anreiz bieten, dass man sich zu dieser spezifischen Organisation hingezogen fühlt.
Aber wie sehen die Methoden und Techniken aus, einen höheren Identifikationsgrad zu erreichen? Berater werden engagiert, Kampagnen gestartet. Schaut man genauer hin, so ist in vielen Fällen zu erkennen, dass die meisten Aktionen dieser Art fremdbestimmt sind. Viel zu selten ist leider festzustellen, dass die jeweiligen obersten Führungskräfte einer Organisation durch ihr Vorleben selbst dokumentieren, was gemeint ist. An die Stelle der gewünschten Kommunikationsorientierung tritt die Machtorientierung, wozu auch neben der hierarchischen Macht die emotionale Macht gehört.
Ohne eine Wertevermittlung durch die entsprechenden Leitungskräfte sind aber alle Aktivitäten sinnlos, beziehungsweise werden als nicht glaubhaft und ehrlich eingestuft. Insbesondere dann, wenn diese Werte in den unterschiedlichen Hierarchieebenen auch noch unterschiedlich interpretiert werden. Nicht selten nimmt die Verbindlichkeit der Befolgung bei der Formulierung von Wertegrundsätzen in einer Hierarchie von unten nach oben ab. An einem krassen Beispiel dargestellt: Es ist die Frage an die Menschen mit Personalverantwortung zu stellen, ob man in einer Firma lügen und mit Intrigen umgehen darf, ob man selbst dagegen verstoßen darf, was man von anderen fordert, nur weil man einen höheren Status hat? Eine wirkliche Antwort erübrigt sich.
Als Beispiele, die grundsätzliche Identifikation oder eine höhere Identifikation in Organisationen zu bewirken, können aufgeführt werden:
Beispiele
- Gleiches Aussehen, also gleiche oder ähnliche Kleidung.
- Schriftstücke haben den gleichen Aufbau, das gleiche Logo oder sind sonst wie ähnlich. (corporate design)
- Befragungen zum Zufriedenheitsgrad finden in immer wiederkehrenden Abständen statt.
- Kleinere Festivitäten - sowohl innerbetrieblich als auch außerbetrieblich - sind eingeleitet und werden angenommen, um den Gemeinschaftssinn zu fördern.
- Es gibt keine große Distanz zwischen Mitarbeiter und Führungskraft.
- Teamarbeit ist gewünscht (nicht nur auf dem Papier) und wird organisiert und gefördert.
- Führungskräfte integrieren sich in die Teamarbeit und verlassen damit ihren herkömmlichen Status.
- Es existiert ein ausgeglichenes Führungssystem, wo nicht nur Tadel ausgesprochen werden, sondern, auch Lob oft zu hören ist.
Diese Auflistung kann noch um etliches erweitert werden, wobei zu bedenken ist, dass es grundsätzlich nur firmenspezifische oder organisationsspezifische Lösungen gibt. Übrigens: Geld gehört nicht zu den Anreizsystemen, eine angemessene Entlohnung schon!
Anonymität
Anonymität, beziehungsweise anonym zu sein, bedeutet nicht erkennbar und nicht identifizierbar zu sein. In vielen Fällen ist dies aber selbstverschuldet. Es besteht schließlich grundsätzlich die Möglichkeit, sich aus der Masse hervorzuheben. Und zwar, indem man etwas tut, was andere nicht machen. Nicht mitschwimmen will Lemminge, nicht als Ja-Sager gelten, eine eigene Meinung haben. Dies allerdings verlangt grundsätzlich mentale Eigenschaften wie Eigenverantwortung, Eigeninitiative, Mut und Geduld, und etwas Stolz und Eitelkeit gehören auch dazu. Also ein unbequemer Weg, aber dafür ist es der eigene!
Deutschland sucht den Superstar. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich etliche 1000 Menschen aus der Masse hervorheben wollen, wobei natürlich die meisten scheitern. Sie erleben starke Enttäuschungen durch ihre - teilweise erhebliche - Selbstüberschätzung. Das gewünschte Eigenbild, das eigene Wunschbild stimmt nicht mit der Realität überein und dies wird den entsprechenden Personen unmissverständlich klargemacht. Illusionen werden verkauft und auch von der Masse gekauft. Letztendlich geht es nur um das Geschäft der Initiatoren und den voyeuristischen Kunden in unserer Mediengesellschaft.
Wer siegen will, muss schon etwas Besonderes mitbringen. Der Dreh- und Angelpunkt ist in der Tat die eigene Identität und die eigene Persönlichkeit. Jeder Mensch erprobt sich in den unterschiedlichen Lebensphasen und Stufen seiner Persönlichkeitsentwicklung. Im frühen Kindesalter kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo erfahren wird, dass man eine eigene Identität besitzt. Später erfolgt die Auseinandersetzung mit Facetten der Wunschidentität, mit dem Wunschbild. Dies ist durchaus normal und völlig wertfrei zu sehen.
Kommen wir zur Frage der Uniformität. Jeans, Turnschuhe, gefärbte Haare, Schmuck, bewusstes Understatement oder übertriebene Selbstsicherheit dokumentieren gewollt oder ungewollt durch das Aussehen oder Verhalten die Zuordnung zur angestrebten Gesellschaftsschicht oder Gruppierungen. Sich zu kleiden, so zu reden, sich so zu verhalten wie die Vorbilder reicht allerdings als Nachweis wirklicher Identifikation nicht aus. Äußerer Druck oder eine persönliche Krise trennen – leider immer im ungeeignetesten Augenblick - die antrainierten Einstellungen und Verhaltensweisen von den wirklich persönlichen.
So lange ein Mensch nicht gegen die in der jeweiligen Gesellschaft bestehenden Wertesysteme verstößt, wird nichts weiter passieren. Was aber passiert, wenn sich bei einem Menschen die Überzeugungen ändern, die sich aufgrund fortschreitenden Alters oder gemachter Erfahrungen oder durch sonstige Außenwirkungen ergeben haben? Die eigene Identität zu behalten, bedeutet aber doch wieder erkennbar zu sein. Gelegentlich entstehen in diesem Prozess Ängste - und zwar mehr oder weniger große. Der Mensch fragt sich, ob er bei dem Versuch etwas Neues dazu zu lernen und sich möglicherweise dann auch anzupassen, auch seine ursprüngliche Identität beibehält, die ihm bisher Sicherheit gegeben hat. Wer begibt sich schon gern und freiwillig auf ein Terrain der Unsicherheit? Es ist die Unsicherheit, etwas verlieren zu können. Aber vielleicht wird etwas verloren, was gar nicht besessen wurde?
Bei Restrukturierungen oder Veränderungsprozessen in Firmen werden Mitarbeiter mit neuen Aufgaben betraut, sie werden befördert oder in andere Abteilungen versetzt, beziehungsweise auch gekündigt. „Verliere ich durch diese Vorgänge mein Ansehen oder meine Identität nach außen? Durch was muss ich mich jetzt zukünftig neu definieren?" Das sind Beispiele für Fragen, die ganz natürlich bei betroffenen Personen auftreten.
Sie werden aber nur dann gestellt, wenn ein echtes Ziel besteht konstruktive und keine Wunschantworten zu bekommen. Ein Mentor kann hier helfen.
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Unternehmensidentität
Identität, was ist das?
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© UPD Unternehmensberatung Dr. Deubel
Im Text wurde aus Gründen der Lesbarkeit weitgehend darauf verzichtet, die weiblichen Formen von Managern, Mitarbeitern, Lehrern, Schulleitern zu nennen. Natürlich sind sie auch gemeint.
Anonymität, Identifikation und Identität
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